Wie Cybersecurity neue Herausforderungen für Fahrzeugumbauten schafft

Autos sind heute hochvernetzte Systeme. Was früher vor allem Mechanik war, ist inzwischen zunehmend Software: Moderne Fahrzeuge bestehen aus zahlreichen Steuergeräten, Sensoren und Assistenzfunktionen.

Diese Entwicklung bringt mehr Sicherheit, Komfort und neue Möglichkeiten – stellt aber auch Unternehmen, die Fahrzeuge für Menschen mit Behinderung individuell anpassen, vor andere Herausforderungen.

Das Mobilcenter Zawatzky beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Anpassung von Fahrzeugen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Ziel ist es, individuelle Lösungen zu schaffen, damit Menschen trotz körperlicher Einschränkungen selbstständig mobil bleiben können – sei es durch Handbediengeräte für Gas und Bremse, spezielle Lenksysteme oder elektronische Steuerungen für Fahrzeugfunktionen.

Doch mit der zunehmenden Digitalisierung der Fahrzeuge verändert sich auch die technische Machbarkeit dieser Umbauten. Immer mehr moderne Fahrzeuge lassen sich aufgrund neuer Cybersecurity-Vorgaben nicht mehr oder nur sehr schwierig für Menschen mit Behinderung umrüsten.

Autos sind heute hochvernetzte Systeme. Foto: Mobilcenter Zawatzky

Wenn Sicherheitssysteme zur Herausforderung werden

Moderne Fahrzeuge müssen heute umfassend vor digitalen Angriffen geschützt sein. Eine wichtige Grundlage dafür ist die internationale Regelung UN-R155, die Fahrzeughersteller verpflichtet, ihre Systeme konsequent gegen Cyberangriffe abzusichern.

Was aus Sicht der IT-Sicherheit sinnvoll und notwendig ist, hat jedoch eine Nebenwirkung: Viele Fahrzeugfunktionen sind heute stärker abgeschottet als früher. Systeme wie Licht, Blinker, Gangwahl oder Zündung sind Teil komplexer elektronischer Netzwerke – und der Zugriff darauf ist deutlich eingeschränkt.

Gerade für behindertengerechte Fahrzeugumbauten kann das zur Herausforderung werden. Denn viele Fahrhilfen müssen genau diese Funktionen ansteuern, damit Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein Fahrzeug sicher bedienen können.

„Die Fahrzeuge werden immer digitaler – und damit verändert sich auch unsere Arbeit. Unser Ziel bleibt aber dasselbe: Lösungen zu entwickeln, die Menschen echte Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Zawatzky.

Mobilität als Schlüssel zur Teilhabe

Für viele Menschen mit Behinderung ist das eigene Auto weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es bedeutet Unabhängigkeit, Zugang zum Arbeitsleben und gesellschaftliche Teilhabe.

Allein in Deutschland leben rund 7,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung. Bereits heute sind hunderttausende Fahrzeuge individuell angepasst – jedes einzelne ein wichtiger Baustein für persönliche Freiheit und Inklusion.

Im Dialog mit Industrie und Politik für inklusive Mobilität

Damit Mobilität für Menschen mit Behinderung auch in Zukunft möglich bleibt, engagieren sich spezialisierte Umrüstbetriebe zunehmend auch auf politischer und branchenübergreifender Ebene.

Das Mobilcenter Zawatzky ist über den Verband der Fahrzeugumrüster für mobilitätseingeschränkte Personen (VFMP) aktiv in Gesprächen mit der Automobilindustrie, Ministerien auf Bundesebene und politischen Entscheidungsträgern. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, damit behindertengerechte Fahrzeuganpassungen auch in einer zunehmend digitalisierten Fahrzeugwelt weiterhin möglich bleiben.

Im Fokus steht dabei unter anderem die Frage, wie Fahrzeuge trotz hoher Cybersecurity-Anforderungen sicher angepasst werden können. Eine mögliche Lösung sind standardisierte und geschützte Schnittstellen, über die Fachbetriebe Zugriff auf notwendige Fahrzeugfunktionen erhalten können.

In Gesprächen mit Vertretern der Automobilindustrie, etwa beim Verband der Automobilindustrie (VDA), sowie mit politischen Entscheidungsträgern wurde bereits deutlich: Das Thema betrifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die gesellschaftliche Frage, wie Mobilität in einer digitalisierten Zukunft inklusiv gestaltet werden kann.

Denn klar ist: Wenn Fahrzeuge für Menschen mit Behinderung nicht mehr angepasst werden können, hat das direkte Auswirkungen auf ihre Selbstständigkeit, ihre beruflichen Möglichkeiten und ihre gesellschaftliche Teilhabe.

VFMP (1. Vorsitzender: Frank Sodermanns, 2. Vorsitzender: Andreas Zawatzky) beim TÜV Verband (Berlin). Foto: Mobilcenter Zawatzky