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2023-11-29
30 Jahre: Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen

In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Vereint in Aktion, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung für, mit und durch Menschen mit Behinderungen zu sichern und zu erreichen".

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Erhebung 2021) leben allein in Deutschland 7,8 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung, also fast ein Zehntel (9,4 Prozent) der Gesamtbevölkerung. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) haben körperliche Behinderungen, etwas weniger als die Hälfte (3,5 Millionen) der Menschen mit einer Schwerbehinderung gehört der Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren an.*

Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen soll weltweit die volle Teilhabe und Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen bekräftigen und das Bewusstsein für deren Belange stärken. Verschiedene Institutionen und Verbände setzen sich in Deutschland für mehr Teilhabe und Inklusion ein, wie etwa der Deutsche Behindertenrat, Aktion Mensch, Sozialhelden, der Sozialverband VdK oder der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.**

Innovation und Inklusion gehen Hand in Hand

Sabine Goetz, Geschäftsführerin Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e. V., eine lächelnde Frau mittleren Alters mit braunen langen Haaren, trägt einen schwarzen Blazer und sitzt im Geschäftsstellenbüro an ihrem Schreibtisch vor dem aufgeklappten Laptop, der Blick in Richtung Kamera.
Sabine Goetz, Geschäftsführerin Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e.V., und ihre Botschafterinnen und Botschafter waren sich nach dem Messebesuch einig: "Die REHAB setzt ein starkes Zeichen für eine inklusive Zukunft, Teilhabe und Digitalisierung!“

In Baden-Württemberg sind seit April 2021 erfahrene, ehrenamtliche Expertinnen und Experten im Auftrag des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e.V. (LSK) für Teilhabe und Inklusion im Einsatz. Mit dem Ziel zu sensibilisieren, auf Barrieren aufmerksam zu machen und etwa bei Bauvorhaben zu beraten, sind die Botschafterinnen und Botschafter Teil des landesweiten Kompetenznetzwerkes Barrierefreiheit des LSK und engagieren sich für eine inklusive barrierefreie Gesellschaft auf allen Ebenen des täglichen Lebens.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der umfassenden Umsetzung der Barrierefreiheit bei öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Rathäusern, Schulen, Theatern und Kinos. Mit ihrer Unterstützung sollen auch Sportanlagen und Schwimmbäder barrierefrei werden und z.B. die Neugestaltung von barrierefreien Bushaltestellen im öffentlichen Verkehr vorangetrieben werden. Dabei setzen sie auf das Motto „Digital gegen Handicaps: Lasst uns Technik nutzen, um Hürden zu überwinden – Innovation und Inklusion gehen Hand in Hand – Barrierefreiheit 4.0“.

Ein Rollstuhlfahrer bedient ein Tablet mit Sprachassistenzsystem.
Assistive Technologien ermöglichen Menschen mit Behinderungen, mit einer eigenen Stimme zu kommunizieren.

Um sich über technische Innovationen zu informieren, besuchte die Geschäftsstelle des Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e.V. zusammen mit Mitgliedern und den Botschafterinnen und Botschaftern Barrierefreiheit die REHAB 2023. Sabine Goetz, Geschäftsführerin Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e.V., zeigte sich begeistert: „Auf der letzten REHAB Karlsruhe erlebten unsere landesweiten Botschafterinnen und Botschafter Barrierefreiheit bahnbrechende Technologien, wegweisende Lösungsansätze und neue Impulse, die die Lebensqualität und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen spürbar verbessern. Die Expertinnen und Experten in eigener Sache waren sich einig: Die REHAB setzt ein starkes Zeichen für eine inklusive Zukunft, Teilhabe und Digitalisierung!

Teilhabe und Selbstbestimmung durch technische Innovationen

Ein Mann wird von einem Verkäufer beraten. Der Verkäufer erklärt am Beispiel eines E-Rollstuhls verschiedene Funktionen.
Elektrorollstühle verhelfen mobilitätseingeschränkten Menschen zu einer größeren Selbstständigkeit.

Welche Rolle können moderne Technik, fortschrittliche Innovationen und individuell-angepasste Hilfsmittel einnehmen, um (mehr) Teilhabe zu ermöglichen? Das passende Hilfsmittel ist die Grundlage für Teilhabe und mehr Lebensqualität − sind sich die Expertinnen und Experten in eigener Sache einig. Bespielhaft für solche Technologien sind Hilfsmittel für Unterstützte Kommunikation.

Sie können vielen Menschen mit Behinderungen helfen, am Leben teilzuhaben. Für Menschen mit Zerebralparese, ALS und Rückenmarksverletzungen ermöglichen derart assistive Technologien unter anderem mit einer eigenen Stimme zu kommunizieren, Lese- und Schreibfähigkeiten zu entwickeln und dadurch selbstbestimmter zu leben. Mobilitätseingeschränkten Menschen helfen moderne Hilfsmittel auf Basis von Elektromobilität, wie Elektrorollstühle, Brems- und Schiebehilfen für Rollstühle, elektrische Zusatzantriebe oder Elektromobile, sich selbstständig fortzubewegen. Und das sind nur einige Beispiele von vielen Hilfsmitteln, die mehr Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen ermöglichen.

REHAB Karlsruhe: Schaufenster für Innovation und Inklusion

 Neun Erwachsene und Kinder in Rollstühlen spielen in der Inklusiven Sportstätte mit Begeisterung Hockey.
Die REHAB 2023 bot verschiedenste inklusive Sportmöglichkeiten live vor Ort an.

Auf Fachmessen wie der REHAB Karlsruhe wird eindrucksvoll gezeigt, welche Möglichkeiten und Chancen neue Technologien für Menschen mit Behinderungen bieten, um Teilhabe und Selbstbestimmung zu verbessern. „Rehabilitation ist für Menschen mit Behinderungen ein Anker und die Grundlage für Teilhabe und Lebensqualität. Schön, dass es Messen, wie die REHAB gibt, damit neue Erkenntnisse schnell bei den Menschen ankommen.“, bekräftigt Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Schirmherr der REHAB Karlsruhe 2023, in seinem Grußwort.

Zur diesjährigen 22. Europäischen Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion kamen 12.000 Fach- und Privatbesuchende nach Karlsruhe, um sich persönlich beraten zu lassen und sich über aktuelle Trends sowie neueste Hilfsmittel zu informieren. Hier konnten Besuchende die Neuheiten direkt testen und vergleichen. Und so feststellen, ob der Rollstuhl, das Exoskelett, das Handbike oder die Anziehhilfe zum individuellen Bedarf passt. Zahlreiche Selbsthilfegruppen standen Rede und Antwort und gaben qualifizierte Beratung zu persönlichen Fragen rund um das Krankheitsbild, aber auch zu Berufs- und Rehabilitationsthemen oder zu Hilfeangeboten für Angehörige.

REHAB Karlsruhe 2025

Die nächste REHAB findet turnusgemäß vom 22. bis 24. Mai 2025 statt. „Wir stecken schon mitten in der Planung für die REHAB 2025. Auch sie wird die gesamte Bandbreite der Branche abbilden und ist für Besuchende eine wichtige Anlaufstelle, um sich hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen im Hilfsmittelmarkt auf den neuesten Stand zu bringen.“, kündigt Projektleiterin Annika Gehrmeyer an.

Weitere Informationen zur Fachmesse sowie zum aktuellen Anmeldestand der Ausstellenden finden sich online unter www.rehab-karlsruhe.com.

2023-06-14
Gesprächsrunden von LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg

Vom 15.06. bis 17.06.2023 findet in Karlsruhe die 22. Europäische Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion, kurz REHAB, statt.

Die LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg e.V. koordiniert in diesem Jahr, neben dem seit Jahren bewährten Gemeinschaftsstand der organisierten Selbsthilfe, an dem viele ihrer Mitgliedsverbände informieren und aktiv sind, auch zwei Gesprächsrunden im Forum der Halle 3, u.a. am 15.06.2023 zum Thema: „Wie kann Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen im Arbeitsleben wirksam erhöht werden? Chancen und Barrieren.“

An der moderierten Gesprächsrunde nehmen ganz unterschiedliche Vertreter*innen aller wesentlichen Akteure der Arbeitswelt teil, die sich zu diesem brennenden Thema unserer Zeit - aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln - äußern.

Mit dabei sind:

  • Für das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration; Herr Dr. Andreas Grünupp (Referat - 32 Menschen mit Behinderung);
  • für die Arbeitgeber - Frau Yasmin Stößer (Betriebssozialarbeiterin bei der Fa. AfB, gemeinnützige GmbH in Ettlingen (social & green IT);
  • für die Beschäftigten – die mit einer Einschränkung am Arbeitsleben teilhaben – Herr Tobias Böhnke;
  • Frau Angelika Kvaic, als Vertreterin der Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Baden-Württemberg;
  • als Vertreter der Gewerkschaften - Herr Thorsten Dossow (Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi (Mittelbaden – Nordschwarzwald);
  • Herr Alexander Schwarz, als Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) Schwerpunkt Unternehmensentwicklung und Inklusion im Handwerk - von der (Handwerkskammer Region Stuttgart);
  • Frau Monika Leutenecker, stellv. Leiterin des Referats 35 – Inklusionsunternehmen beim Kommunalverband für Jugend und Soziales B.W. (KVJS).

Die Moderation der Gesprächsrunde übernimmt die 1. Vorsitzende der LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg e. V. - Bärbel Kehl-Maurer.

Menschen mit Einschränkungen haben heute leider oft noch Schwierigkeiten, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Dabei gibt es zahlreiche Chancen, die es zu nutzen gilt. Eine wirksame Erhöhung der Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen im Arbeitsleben erfordert jedoch gerade die Überwindung von Barrieren.

Die 1. Vorsitzende der LAG SELBSTHILFE, Bärbel Kehl-Maurer bringt es auf den Punkt: „Auch Menschen mit Einschränkungen können einen Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens leisten. Das Problem: Man traut es ihnen zumeist nicht zu. Gerade in Zeiten von Arbeitskräftemangel bietet sich – richtig organisiert – durchaus auch die Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen an.“

Um dies zu ermöglichen, gibt es bereits einige „gute Beispiele“ - von denen es sich lohnt zu lernen – und eine umfassende Unterstützungsstruktur, die häufig noch viel zu wenig bekannt ist. Neben der Schaffung von barrierefreien Arbeitsplätzen, sind die Förderung von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Sensibilisierung von Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen für die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen besonders wichtig.

„Wichtig ist, ständig im Dialog zu bleiben. Es darf nicht sein, dass die Inklusion am Arbeitsplatz deshalb scheitert, weil die Beteiligten nicht gut informiert sind oder sich nicht über gute Möglichkeiten ausgetauscht haben“, so Hans-Jürgen Hillenhagen, Vorstandsmitglied der LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg.

Die beteiligten Akteure sind sich einig, dass die Kernanliegen dieses Austauschtreffensauf der REHAB-Messe, „mitgenommen“ und mit den Beteiligten entsprechend weiter vertieft werden sollten, damit Menschen mit Einschränkungen in Zukunft echte Chancen in der Arbeitswelt und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten.

2023-06-06
Interessante Menschen – neueste Hilfsmitteltechnik – barrierefreie Reiseziele
Neueste Hilfsmitteltechniken

Online-Magazin Barrierefrei – hier dreht sich vieles um Lifestyle mit Handicap. Es geht u. a. um Mobilität und Tourismus, um Freizeit, Sport und Technik oder Wohnen und Bauen. Es geht um das, was den Alltag erleichtert, und das, was das Leben bereichert. Es geht um interessante Menschen und entscheidende Fragen. Hinter der Online-Plattform steht ein engagiertes Team von acht Menschen, die alle wissen, wovon sie sprechen und schreiben.

Hier gehts zum Online-Magazin: www.barrierefrei-magazin.de

2023-05-24
Drin oder dabei?

Viele Anwender werden geradezu von der Digitalisierung unserer Gesellschaft überrollt. Sei es von der Corona-Warn-App, der Grundsteuererklärung oder dem digitalen Deutschlandticket. Sehen die Entwickler primär die Vorteile ihrer Angebote, sind für viele Nutzer grundlegende Fragen offen und/oder die nötige Ausstattung und Kompetenz oft nicht vorhanden.

Dieser Mangel führt in der Folge zu einer reduzierten Nutzung der Angebote, wenn nicht sogar zu deren Ablehnung. Dieses Nutzungsverhalten wird überwiegend bei Konservativen GelegenheitsnutzerInnen und Minimal-OnlinerInnen, so bezeichnet der D21 Digital Index die Nutzergruppen mit den geringsten Kenntnissen, beobachtet.

Über die Hälfte der Deutschen gehört einer dieser Gruppen an, die sich mehrheitlich aus den Babyboomern und der Nachkriegsgeneration zusammensetzt. Gerade die Babyboomer sind als (pflegende) Angehörige ein wesentlicher Bestandteil der Altenpflege und damit auch Gradmesser für Nutzerakzeptanz von digitalen Innovationen. Aber nicht nur in der Pflege sollten sich Entwickler mehr um die Digital Skills der Boomer kümmern. Das Durchschnittsalter bei Neuwagenkäufer liegt bei 53 Jahren und viele Autobauer stellen fest, dass ihre wichtigste Kundengruppe Probleme beim Umgang mit digitalen Cockpits und Apps hat.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Zugang nicht Nutzung impliziert. Im englischen wird zwischen Owner- und Usership unterschieden. Nur weil ich ein Gerät, z. B. ein Smartphone besitze, heißt das nicht automatisch, dass ich es auch „smart“ nutze/nutzen kann.

Person am Computer

Was können Entwickler tun, um die Akzeptanz von digitalen Lösungen bei Boomern zu verbessern?

Es gibt zwei wesentliche Hebel: Innovation mit und Kommunikation für Boomer. Wie Co-Creation und die Verhaltensänderungstheorie helfen können, die Akzeptanz von digitalen Lösungen, auch und gerade in der Pflege, zu verbessern, ist Thema des Workshops „Mind the gap - Digitalisierung der Pflege“ am 17.06.2023 um 13:00 - 14:00 Uhr, Konferenzraum 12 im Messe Konferenz Center im 2. OG

Der Workshop richtet sich an Anbieter von digitalen Angeboten, insbesondere für die häusliche Pflege und findet im Rahmen des Gründerpreises SENovation Award statt. Besuchende der REHAB können am Vortrag kostenfrei und ohne vorherige Anmeldung teilnehmen.

2023-05-24
Für Kliniken und Zuhause: REHAB zeigt breites Spektrum an Pflegebetten, Matratzen und Lagerungssystemen
Kinderbett Lisa 102 mit neuer kostenloser Farboption pink von FreiStil Tischlerei GmbH & Co. KG
Die innovationsfreudigen Tischlermeister von FreiStil setzen auf einen schonenden und nachhaltigen Ressourcenumgang bei ihren Therapie-Kinderbetten. (Bild: FreiStil Tischlerei GmbH & Co. KG)

Für Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten oder für bettlägerige Senioren gilt dies umso mehr: Eine gutes Pflegebett und eine individuell passende Matratze gehören zwingend dazu.

Auf der REHAB präsentieren in diesem Jahr Herstellende aus Deutschland, aber auch das norwegische Unternehmen Tidewave, Pflegebetten für Einrichtungen und Kliniken, zunehmend auch wohnliche Bettenlösungen mit Spezialmatratzen für Zuhause.

Das ist besonders wichtig für die Lagerung, Therapie und Pflege von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Für sie ist ein hochwertiges Bett als anerkanntes Hilfsmittel zur Sicherheit und zum Schutz unerlässlich.

Zwei norddeutsche, familiengeführte Traditionsunternehmen, FreiStil und KayserBetten, präsentieren seit Jahren ihre besonderen Bettenlösungen für junge Menschen. Gefertigt aus heimischen Buchenhölzern, nachhaltig und ressourcenschonend produziert, natürlich damit auch ökologisch und schadstofffrei. In Naturfarben oder auch vom pastelligen Hellblau bis zum poppigen Pink lackiert, gibt es Design-Varianten für jeden Geschmack und vor allem für jeden individuellen medizinisch-therapeutischen Anwendungsbereich.

Thomas Zander, Geschäftsführer von FreiStil aus Osnabrück, ist überzeugt: „Die REHAB ist eine sehr gut strukturierte Messe, auf der wir viele unserer Kunden aus dem süddeutschen Raum erreichen können, die wir sonst nicht erreichen. Sie bietet mehr Zeit und Platz um sich in Ruhe mit Fachleuten aus Sanitätshäusern und Endkunden auszutauschen. Inzwischen kommen auch viele unserer Kunden aus dem Norden nach Karlsruhe, weil die einschlägigen Messen häufig zu überlaufen sind und es an Zeit und Muße fehlt, um sich zu informieren.“

Beratungsgespräch zu einem Pflegebett auf der REHAB
Zu verschiedenen Pflegebetten und Anti-Dekubitus-Systeme können Sie sich vor Ort auf der REHAB beraten lassen. (Bild: Messe Karlsruhe)

Klassische Pflegebetten für den professionellen Einsatz in Krankenhäusern, Rehakliniken und Einrichtungen sind von Mühle und SLK zu sehen. Damit diese auch im persönlichen Alltag nicht so „klinikmäßig“ aussehen und dennoch über alle notwendigen Verstellmöglichkeiten für Komfort und Pflege, Drehbarkeit und Aufrichtung zum Sitzen verfügen, werden sie für die Nutzung im Privatleben wie andere Möbel mit verschiedenen Hölzern angeboten oder mit Waschleder oder Polstern verkleidet. Durch Aufstehmodule ist die Teilhabe am Familienleben garantiert.

Menschen, die schwer erkrankt sind, viel liegen und sich nicht selbst drehen können, brauchen spezielle Anti-Dekubitus-Systeme, um das gefährliche Wundliegen zu vermeiden: Von klassischen, von den Krankenkassen erstatteten Wechseldrucksystemen für alle Gewichts- und Altersklassen bis hin zu neuartigen dynamischen Liegesystemen, die durch kontinuierlichen Druckwechsel für Entlastung sorgen, ist alles auf der REHAB zu sehen. Bei der Matratzen-Neuheit von Nocubi werden innerhalb der Matratze einzelne, gefederte Rollen systematisch unter dem Körper durchgezogen und sorgen so für konstanten Druckwechsel.

Tidewave aus Norwegen präsentiert „Hug“, die Dekubitus-Matratze, die durch eine gewölbte Form den Körper wie bei einer Umarmung hält. Sie dreht den Patienten, entlastet seine Druckstellen, aber auch die Pflegekräfte. In Zeiten von Fachkräftemangel ist es gut, wenn regelmäßige mechanische Tätigkeiten wie regelmäßiges Umlagern durch eine digital-mechanische Matratze erledigt werden und so Zeit lassen für persönliche Pflege und Zuwendung.

Menno van Etten, Manager bei Tidewave, freut sich schon sehr auf die Messe, denn seine Erfahrungen von der REHAB 2022 waren sehr positiv: „Wir haben im letzten Jahr auf der REHAB in Karlsruhe hervorragende Geschäftskontakte knüpfen können und mit unseren Produkten viel Aufmerksamkeit erregt.“

Weitere Informationen zu den ausstellenden Unternehmen finden Sie in unserer Ausstellerliste.

2023-05-24
GUIDZTER.COM-Lounge auf der Messe: Ein aktiver Treffpunkt zum Thema Leben im Rollstuhl
Teamfoto Guidzter.com
Das Team von GUIDZTER.COM auf der REHAB 2022 - wir freuen uns auf das Wiedersehen. (Bild: GUIDZTER.COM)

Im Gespräch erläutern uns die Guides, was Besuchende auf der Messe erwartet:

„Wir wollen Brücken schlagen und Barrieren abbauen – ein Leben im Rollstuhl ist genauso interessant und erfüllend wie für jeden anderen Menschen. Das Angebot, als Kooperationspartner der REHAB mit einer Lounge auf alle Menschen zugehen zu können, ist für unsere Community und alle Besucherinnen und Besucher eine große Chance“, erzählt uns Sabine, Rollstuhlfahrerin und eines der Gesichter der GUIDZTER.COM-Community.

Die Lounge lädt zur Begegnung ein, dazu sich mit den Guides und untereinander auszutauschen. Täglich finden hier Vorträge statt, aber auch offene Gesprächsrunden zu einem Thema, sogenannte „G-Talks“. Darüber hinaus bieten die Guides die Möglichkeit an, sich einen persönlichen Gesprächstermin über die GUIDZTER.COM-Homepage zu reservieren. Mit einer Interview-Box, Livetalks, Präsentationen und Workshops rund um das Thema „Leben im Rollstuhl“ ist die Lounge als Angebot für alle interessierten Messebesuchenden vielfältig aufgestellt.

Über ihre Website bietet die Community das ganze Jahr über mit einem Team von mittlerweile elf Guides individuellen Erfahrungsaustausch, nützliche Ratschläge und persönliche Gespräche über Themen, die uns bewegen, an.

Auf der REHAB transformieren die Guides dieses Angebot in die reale Welt:

„Jede:r ist willkommen, um sich mit uns über Sport, Outdoor-Aktivitäten, Reisen, Alltagshacks, juristische, finanzielle und pflegerische Aspekte zu unterhalten oder auch um unangenehme Themen ansprechen zu können. Wir alle wollen selbständig wohnen, arbeiten, reisen, ausgehen, Freunde treffen, Sex haben oder eine Familie gründen – das unterscheidet uns nicht von anderen Menschen. Es geht viel mehr als man denkt, man muss sich nur trauen“.

Das Programm ist vielfältig: „Nur weil wir im Rollstuhl sitzen, ist unser Leben nicht weniger spannend – das müssen wir allen klarmachen, die ihre Barrieren noch im Kopf haben“, erzählt uns Philipp, der ein Fan handfester Sachen ist. Bis zu seinem Unfall war er als begeisterter Motorradfahrer aktiv. Heute gibt er als Guide seine Erfahrungen und Kenntnisse weiter. Auf der REHAB können Interessierte mit Philipp in einem Workshop Hilfsmittel kennenlernen, mit einem 3D-Zeichenprogramm Hilfsmittel selbst konstruieren, eigene Hilfsmittel vorstellen und/oder ihren Rollstuhl anpassen.

Vortrag auf der REHAB 2022
Vortrag von den Guides Sabine und Tina auf der REHAB 2022 (Bild: GUIDZTER.COM)

Sabine ist von Anfang an bei GUIDZTER.COM dabei und freut sich generell auf Begegnungen auf der Messe: „Wichtig ist unserer Community, Ängste abzubauen, Beispiele zu geben und Menschen mit Handicap zu mehr Selbständigkeit zu ermuntern. Ich entscheide, was ich machen will und was ich kann. Das müssen nicht Andere für mich übernehmen!“

Die Idee, Menschen im Rollstuhl zu vernetzen, Erfahrungen weiterzugeben und Beispiel und Mutmacher zu sein ist ein Erfolgsmodell. Die Community gibt es seit Anfang 2020 und sie wächst unaufhörlich.

„Wir sind gespannt darauf, ob man uns nach unserem Auftritt bei der REHAB 2022 in diesem Jahr bereits als bekannte Gesichter wahrnimmt“, meint Danny Locher, der die Community von Anfang an begleitet. „Wir haben viel vor: Videos drehen für Ausstellende auf der Messe, über Hilfsmittel im Alltagstest berichten, Kontakte herstellen, ins Gespräch kommen, informieren und unsere Community erweitern.“

Überhaupt ist das Thema Barrieren ein Thema: „Manchmal werden wir mehr behindert als wir es tatsächlich sind! Bis zur inklusiven Gesellschaft ist es noch ein weiter Weg – wir müssen mit unserem Angebot gegen Stereotype ankämpfen und für Gleichgesinnte und Interessierte Brücken schlagen. Gemeinsam geht das besser – und die Community trägt uns als Person und als Teil davon.“

Die letzten Vorbereitungen werden noch getroffen, damit die Lounge in der dm-arena und einem täglichen Angebot von 10:30 Uhr bis 16:30 Uhr ein voller Erfolg wird. Das Vortrags- und Workshop-Programm auf der Lounge kann unter www.guidzter.com/rehab-23 abgerufen werden.

Mehr zur Community lesen Sie unter www.guidzter.com

2023-05-24
Ein Highlight des Messeprogramms: MOBITIPP-Neuheitenreihe
Das neue, noch nicht veröffentlichte Produkt von Meyra Group GmbH
Seien Sie gespannt auf die Produkt-Weltpremiere von Meyra auf der REHAB 2023. (Bild: Meyra Group GmbH)

Der erste Messetag, Donnerstag, 15. Juni 2023, startet direkt mit einer Produkt-Weltpremiere exklusiv auf der REHAB. MEYRA, seit über 85 Jahren auf dem Weltmarkt bestehender deutscher Rollstuhlhersteller, lüftet den Vorhang über ein brandneues Produkt.

Neuheiten im E-Rollstuhlsektor

Mobilität ist ein großes Thema für alle Hilfsmittelnutzenden – Zuhause und zunehmend auch auf Reisen: Für E-Rolli-Fahrende ist das Unterwegssein häufig sehr beschwerlich, denn der Rollstuhl mit Batterieeinheit ist meistens recht sperrig und schwer zu befördern. Egal, ob mit dem eigenen PKW, der Bahn oder dem Flugzeug – den ergoflix LX E-Rolli kann man einfach mit auf Tour nehmen. Er trägt Personen bis zu 160 kg, hat dabei nur ein Nettogewicht von 23,5 kg und ist im Handumdrehen zusammengefaltet.

Produkt Leolevel - Rollstuhl von Motion Solutions
Der neue Rollstuhl LEOlevel von Motion Solutions kann vor Ort in der Messe Karlsruhe getestet werden. (Bild: Motion Solutions GmbH)

Durch seinen einzigartigen 6-Rad-Antrieb vereint der New Live Magix von NHD Vorderrad-, Mittelrad- und Hinterradantrieb. Dadurch eignet er sich sehr gut sowohl für Fahrten im Gelände als auch in Innenräumen und schmalen Korridoren. Dabei ist er trotz seiner sechs Räder kleiner und kompakter als viele andere E-Rollstühle. Auch kann er Bordsteine und Hindernisse bis zu 15 cm überwinden.

Echtes Treppensteigen und die Bewältigung vieler baulicher Barrieren garantiert der Scewo Bro aus der Schweiz, ein zweirädriger Rollstuhl mit einer Raupenfunktion. Inzwischen auch im deutschen Markt etabliert, gibt es immer wieder positive Überraschungen: BRO misst mit seinen Sensoren die Umgebung aus und erkennt so zum Beispiel das Ende einer Treppe ganz allein. Zudem wird er dank regelmäßigen Software-Updates immer intelligenter und lernt laufend neue Funktionen dazu.

Brandneu auf der REHAB präsentiert Motion Solutions den LEOlevel: Bei der Nutzung eines E-Rollis ist für viele Menschen der Transfer der schwierigste Teil – insbesondere, wenn sie ihre Arme nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Hilfe nehmen können. Beim LEOlevel können Nutzende mit der Sitzfläche des E-Rollis auf jede beliebige Höhe fahren bis ganz hinunter auf den Boden. Das von Motion Solutions entwickelte Sitzliftsystem im LEOlevel, welches von 62 cm auf 0 cm Sitzhöhe verstellt werden kann, ist bis 100 kg belastbar, das unterscheidet den LEOlevel von vergleichbaren Rollstuhlmodellen.

Kind mit dem Exopulse Mollii Suit von Otto Bock
Der Exopulse Mollii Suit von Otto Bock wird ebenfalls als Neuheit auf der REHAB präsentiert. (Bild: Otto Bock HealthCare Deutschland GmbH)

Neuheiten für aktive Rollstuhlfahrende

Aktive Rolli-User sind in der ganzen Welt mit einem Rollstuhlzuggerät unterwegs. Twist von Klaxon/Otto Bock ist ein kleines und multifunktionales Antriebssystem. Das kompakte Rad mit integriertem Elektromotor und einem Akku lässt sich leicht und unkompliziert montieren und auf vielfältige Weise nutzen. Der leichte und wendige Twist wurde entwickelt, um Rollstuhlfahrende auf jeder Reise zu begleiten. Einfach Anklicken und los geht's!

Jede Einschränkung ist anders: Der Aktivrollstuhl THE KSL von Küschall zeichnet sich durch ein minimalistisches und elegantes Design und vor allem einen hohen Individualitätsgrad aus. Er wird nach Maß angefertigt und kann dadurch an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Markenbotschafter Moritz Brückner berichtet bei der MOBITIPP-Neuheitenreihe von seinen Erfahrungen.

Wer viel unterwegs ist und nach einem passenden Auto sucht, ist bei Paravan, dem schwäbischen Autospezialisten, richtig. In der MOBITIPP-Neuheitenreihe überrascht dieser mit einer Weltpremiere, die noch nicht verraten wird. Mit innovativer Technik und Design ist gewiss zu rechnen.

Für Menschen mit neurologischer Einschränkung

Neurologisch erkrankte Menschen erfahren oft über die Lebenszeit eine fortwährende Veränderung ihrer Erkrankungen: Der NANO S von MEYRA ist der weltweit erste und einzige Faltrollstuhl mit offenem Rahmen-Konzept (Mono-Tube), mit schwenk- und abnehmbaren Beinstützen. Dadurch ist der NANO S optimal für sämtliche neurologischen Versorgungen geeignet. Ein effizientes Bewegungstraining der Beine ist möglich und kann an die individuellen Bedarfe angepasst werden.

Kinova, bekannt durch seinen innovativen Roboterarm Jaco, hat sein Portfolio um die dynamischen Armunterstützungssysteme Dowing und Gowing des niederländischen Herstellers Focal Meditech ergänzt. Diese eignen sich besonders für Menschen, die noch eine ausreichende Restfunktionalität in den Armen haben. Damit komplettiert Kinova seine Versorgungskette für Menschen mit eingeschränkter Funktion in den oberen Extremitäten.

Jedes Produkt ein Unikat

Seit 25 Jahren bei der REHAB dabei ist T-RV: Das Familienunternehmen versorgt Menschen mit Behinderungen ganz individuell mit anpassbaren Produkten von internationalen Markenherstellenden rund um das Thema Sitzen & Positionieren. „Die individuelle Lösung und der persönliche Nutzen für den einzelnen Menschen stehen bei unserer Arbeit immer im Vordergrund, wie wichtig dies ist, wissen wir aus unserer eigenen Familiengeschichte.“, so Albert Föhrenbühler, der Gründer und Geschäftsführer.

Das Messeprogramm: Spannend, unterhaltsam und nützlich

Auf der REHAB steht die Weiterbildung in diesem Jahr hoch im Kurs. In den Foren in Halle 2 und Halle 3 als auch auf der Guidzter.com-Lounge und der Inklusiven Sportstätte in der dm-arena wird viel geboten: Von inspirierenden Vorträgen aus der Community, etwa zu Reisethemen oder Alltagshacks, über sportliche Einladungen zum Mitmachen, etwa beim Rollstuhl-Biathlon oder Armwrestling mit Weltmeistern, bis hin zu sachlichen Diskussionsrunden rundum Pflege und Homecare oder Kinderreha. Unsere Partner haben ein umfangreiches, unterhaltsames und fachlich anspruchsvolles Programm für Besuchende erstellt.

Foto vom Forum Halle 3 während der REHAB mit vielen Zuhörern, die einem Vortrag lauschen.
Vielfältige Vorträge zu aktuellen und spannenden Themen erwarten die Besuchenden in den Foren Halle 2 und Halle 3. (Bild: Messe Karlsruhe)

Foren in Halle 2 und Halle 3

In den Foren bietet das Competenz Netzwerk außerklinischer Intensivpflege (CNI e.V.) Beiträge und Input zum Thema „Homecare und Pflege“ an. Im Themenblock Kinder- und Jugendrehabilitation wird u.a. der Mollii-Suit von Otto Bock zur Bewegungsanregung und Unterstützung bei neurologischen Krankheiten vorgestellt. Für Fachkräfte aus Fachhandel und Therapie ist die neue proviko Hilfsmittel-App sehr spannend. Der Verein rehaKIND kümmert sich mit Beiträgen zur Unterstützten Kommunikation aus Hersteller- und Nutzersicht, sowie juristischen Hinweisen zur Hilfsmittelversorgung um die drängenden Probleme der jüngsten Patienten. Weitere Themenfelder im Rahmenprogramm der REHAB sind: „Hirnverletzung & Schlaganfall“, „Barrierefreies Bauen“ und „Digitale Assistive Technologien“.

Action und Unterhaltung in der dm-arena

In der dm-arena finden Fans der aktiven Community, Ratsuchende, kontaktfreudige und neugierige Rolli-Nutzende und Interessierte jederzeit ein spannendes Programm und die passenden Ansprechpartner: auf der Guidzter.com-Lounge. Fünf Guides stehen hier Rede und Antwort, begeistern, beraten und begleiten in allen Lebenslagen. Die junge Online-Community hat ebenfalls ein Programm vor Ort zusammengestellt.

Außerdem lockt in der dm-arena die Inklusive Sportstätte mit einem breiten Sportartenprogramm zum Kennenlernen, Ausprobieren und Mitmachen. Adaptive Selbstverteidigung für Alle, Hockey und Biathlon im Rollstuhl oder E-Hockey stehen auf dem Programm und werden u.a. präsentiert von Esther Weber, Olympiasiegerin im Rollstuhlfechten.

Die Partner des REHAB-Messeprogramms und der Inklusiven Sportstätte sind:

Nähere Informationen für die Planung Ihres Messebesuchs und für die Teilnahme an einzelnen Programmpunkten finden Sie hier.

2023-04-26
Florida 2022 – Zwei Wochen spektakuläre Normalität

Ziemlich aufgeregt starten meine Frau und ich in diesen Urlaub, denn seit drei Jahren ist es der erste, den wir wieder ohne Wohnmobil machen. Direkt an der Wohnungstür fängt unsere Reise an, mit der S-Bahn zum Flughafen.

Barrierefreies Zimmer? Na klar!

Key West – Spektakulär ist die Fahrt über die Brücken des Overseas Highway, mitten durchs Meer hindurch. Am Hotel haben wir ein Déjà-vu, denn Hühner und ein Gockel marschieren über den Parkplatz. Das erinnert uns an die Insel Kauaii, dort laufen diese Tiere auch einfach frei herum. Viele Fragen stellen sich in den USA einfach nicht. Barrierefreies Zimmer, rollstuhlgerechter Shuttle Bus – na klar! Diese Sorglosigkeit ist fast ungewohnt und trägt dazu bei, dass sich echte Entspannung im Urlaub breit macht.

Wir hüpfen nicht einfach von Hotel zu Hotel, sondern suchen uns immer Abenteuer, wie den Everglades Safari Park. Erneut ist es ein Moment, in den es mir außergewöhnlich positiv auffällt, dass alles normal ist. Es ist normal, dass ein Mensch im Rollstuhl im Propellerboot mitfahren möchte. Es ist normal, dass ich mir alles in diesem Park anschauen kann, ohne Treppen und Stufen. Es ist normal, dass es eine behindertengerechte Toilette gibt. Das alles macht es ungemein leicht, die so einzigartige Natur der Everglades zu bestaunen. Die Alligatoren, die vielen Vögel und die wunderbaren Pflanzen mit dem Wasser überall.

Miami - Mit seinen Hochglanzfassaden ist es der krasse Gegensatz dazu. Der Ocean Drive im berühmten Art Deco Stil ist in der Dämmerung und nachts eine besondere Attraktion. Aufs neue zeigt sich Florida in den buntesten Farben.

Am Black Friday geht man natürlich in die Mall! Einkaufen bis die Kreditkarte glüht, vom Nike Store über Victoria Secrets und den Levi’s Laden zum Oakley. Es ist einfach normal, dass auch ein Mensch im Rollstuhl sich in diesen Menschenmassen bewegt.

Zu Gast im "Raketen-Garten"

Ich bin ja ausgeflippt, als ich ein paar Tage zuvor gelesen habe, dass wir den Start einer Falcon-9-Rakete live im Kennedy Space Center sehen können. Selten habe ich einem Ereignis so entgegen gefiebert. Und auch hier ist es einfach normal, dass auch ein Mensch mit Rollstuhl hierher kommt.

Man erlebt die Normalität als etwas so Besonderes und gleichzeitig als total Entspannendes. Vorbei am „Raketen-Garten“ geht es zu einer Wiese, auf der wir freies Sichtfeld zur Startrampe haben. Wir verfolgen den Countdown auf der Video Wall, beobachten wie die Triebwerke zünden und sehen ein paar Augenblicke später, wie sich die Rakete in den wolkenlosen Himmel erhebt. Die Amerikaner beherrschen es einfach, eine gute Show zu bieten, was sich auch an den anderen Attraktionen hier zeigt, wie die Ausstellung zum Space Shuttle Atlantis.

Wenn mir jemand 2019 erzählt hätte, dass ich das Kennedy Space Center oder zwei Tage Disney World so auskosten könnte, dann hätte ich ihn damals glatt für verrückt erklärt. Fast verrückt ist es für mich, welchen Spaß ich in Disney World haben konnte. Kein Tag im Magic Kingdom darf ohne Feuerwerk zu Ende gehen. Es gibt sogar einen abgetrennten Bereich mit freier Sicht auf das beleuchtete Disney Schloss und das Spektakel am Himmel.

Mein Tipp: Kauft Souvenirs schon tagsüber, nach dem Feuerwerk sind die Läden total überfüllt und die Schlangen an den Kassen endlos.

Ohne den Rollstuhl hätte ich das Alles in diesem Urlaub niemals so erleben, geschweige denn so genießen können. Wer im Rollstuhl Urlaub machen möchte, für den sind die USA ein echter Tipp. Es ist zu schön, einfach normal zu sein.

Das war der persönliche Reisebericht von Matthias Fuchs aus dem Guidzter.com-Team. Ihr könnt ihn und weitere Guides bei uns auf der REHAB treffen. Hier stellt er seine Reise-Erlebnisse live vor.

2023-04-21
Myofasziotomie - eine minimalinvasive Behandlung bei verkürzten Muskeln
Zu sehen ist ein Portraitfoto von Dr. Peter Bernius, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Neuroorthopädie der Schön-Klinik. Er trägt einen weißen Arztkittel und eine Krawatte. Zudem trägt er eine Brille, kurzes graues Haar und blickt lächelnd in die Kamera.
Im Rahmen des CON.THERA können Interessierte am Vortrag von Dr. Peter Bernius, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Neuroorthopädie der Schön-Klinik teilnehmen. (Bild: Peter Bernius)

Ganz vereinfacht werden bei diesem relativ „unblutigen Eingriff“ Narben innerhalb eines Muskels oberflächlich ertastet und mit einem speziellen, sehr kurzen Skalpell durchtrennt und die Faszien, die alle Muskeln umhüllen, gespalten. Hierbei entstehen keine neuen, großen Hautverletzungen und die noch funktionstüchtige Muskulatur wird geschont. Der Schmerz nach der OP ist deutlich geringer und hält kürzer an. Die wichtige postoperative Mobilisation fällt leichter, denn der Kraftverlust in den operierten Muskeln ist geringer.

Seit 2008 hat sich diese Methode vor allem durch das Internet unter vielen Eltern von Kindern mit Cerebralparese herumgesprochen. Denn die deutlich geringere Invasivität mit fast unsichtbaren Narben ist für die mit vielen Eingriffen konfrontierten Kinder und deren Familien weniger belastend.

Grundsätzlich können in einem Eingriff viele Muskelkorrekturen an Armen, Beinen, Rumpf und auch am Kopf in einer Narkose vorgenommen werden. Die Patientinnen und Patienten jeden Alters bleiben zwei bis drei Nächte stationär in der Klinik und müssen danach ihre „frisch elastischen Muskeln“ täglich für mehrere Stunden trainieren und bewegen. Hier gilt: „Viel hilft viel“.

Zum Hintergrund

Wechselnde Belastungen stimulieren bei einem gesunden Kind den Muskelaufbau, halten die Muskeln elastisch und belastbar. Kinder mit Cerebralparese (CP), aber auch Schlaganfallbetroffene entwickeln immer strukturelle Muskelveränderungen, obwohl die Läsionen im Gehirn sind und in erster Linie die Muskeln gar nicht betroffen sind. Reduzierte Bewegung führt zur Verkürzung der Muskulatur. Dies wiederum zu Spastiken und im Verlauf zur Vernarbung und Verhärtung des Bindegewebes und der Faszienhülle um den Muskelbauch. Sobald dieses Gewebe nicht mehr elastisch ist, entstehen schmerzbedingt verkrampfte Schonhaltungen. Die Gelenke werden verkrümmt und unbeweglich, daraus folgen Schäden und Einschränkungen der Beweglichkeit des ganzen Körpers.

In der kinderorthopädischen Behandlung der CP werden neben den notwendigen „großen“ knöchernen Operationen an der Hüfte sowie Beinen und Füßen leider immer noch Sehnen operativ verlängert, um das Gehen oder eine physiologische Sitzhaltung zu ermöglichen. Die Perkutane Myofasziotomie ist eine wichtige Ergänzung zu diesen klassischen Behandlungsmethoden. Sehnenverlängerungen sollten vermieden werden.

Je früher man mit der Muskelerhaltungstherapie beginnt und so den großen Folgeschäden vorbeugt, desto besser wird die Lebensqualität der betroffenen Menschen sein. Der Muskel lernt im Kleinkindalter ständig. Diese „Lernerfahrungen“ aktivieren weitere Prozesse im Gehirn, die den Kindern mit CP entgehen. Bei der Kindesentwicklung gibt es immer wieder relevante Zeitfenster, die genutzt werden müssen. Bleiben die Muskeln und damit die jungen Patientinnen und Patienten inaktiv, erwarten sie lebenslange Einschränkungen, die man vielleicht durch frühzeitige Eingriffe hätte vermeiden können.

"Die Korrekturmöglichkeiten bei diesem minimalinvasiven Eingriff sind sehr gut und entsprechen unserer Erfahrung nach den Möglichkeiten bei offener Operation. Die Eingriffsdauer pro Muskel ist kurz. So können pro Narkose durch viele kleine Einritzungen Lücken in die verhärteten Muskeln in unterschiedlichen Körperbereichen geschnitten werden. Die sofort spürbare Muskelentspannung zusammen mit den geringeren OP-Nachwirkungen führen zu guter Akzeptanz bei den Betroffenen und deren Angehörigen", fasst Dr. Peter Bernius zusammen.

Nach München kommen Patientinnen und Patienten aus Australien, Vancouver oder Wladiwostok. Doch noch immer wird die Myofasziotomie kritisch gesehen, weil es zu wenig Forschung dazu gibt. „Bei Kindern und Jugendlichen mit CP geht es nicht nur um Mobilität in Armen und Beinen. Wir können auch den starken Speichelfluss regulieren, dies ist ja sozial sehr stigmatisierend und belastend, für die Betroffenen und Angehörigen. Kinder mit CP sind wie Spitzensportler: alle medizinischen Fachleute werden versuchen, das Beste aus ihnen herauszuholen, um die Lebensqualität hoch zu halten und Teilhabe zu ermöglichen. So können auch die notwendigen Hilfsmittel von der Orthese über Rollstühle, Stehtrainer, Therapiestühle und andere Anpassungen besser genutzt werden“, fasst Dr. Bernius zusammen. Seine Vorstellung des Münchner Konzeptes beim CON.THERA-Kongress richtet sich an alle Interessenten. Einen guten Überblick über alle Hilfsmittel und die Möglichkeit, vieles auszuprobieren gibt es dann in den Messehallen bei der 22. REHAB vom 15. bis 17. Juni 2023 in Karlsruhe.

Linktipps zur Vertiefung:

https://kbo-kinderzentrum-muenchen.de/forschungsschwerpunkte-und-projekte/cerebralparese/einfluss-der-perkutanen-myofasziotomie-auf-die-gehfunktion-bei-patienten-mit-spastischer-cerebralparese

https://www.miotenofasciotomia.com/de/

2023-04-21
Kinderbuchtipp: Über das Leben mit Rollstuhl

Rogis Wirbelsäule ist nach einem schlimmen Unfall so kaputt, dass er im Rollstuhl sitzen muss. Er ist tieftraurig und hat Angst, nie wieder die Dinge machen zu können, die er liebt. Doch nach und nach findet Rogi mit der Hilfe seiner Tierclique heraus, wie er mit den neuen Hürden umgehen kann. Das Kinderfachbuch basiert auf der Lebensgeschichte des Autors und vermittelt dessen optimistische Einstellung, dass auch im Rollstuhl fast alles möglich ist. Im Anschluss an die Bildergeschichte gewährt der Autor Einblicke in seinen Alltag. Außerdem gibt die Psychologin Sylvia Nagel Tipps zur einfühlsamen Begleitung und die Ärztin Julia Heilscher beantwortet alle Kinder- und Erwachsenenfragen rund um die Wirbelsäule und Querschnittslähmung. Für Kinder ab 3 Jahren.

Zu sehen ist die Vorderseite des Buchs Rogi findet sein Glück. Darauf ist ein Löwe im Rollstuhl zu sehen, der über eine Wiese fährt und ein Schmetterling sitzt auf seiner Hand.
Das Kinderbuch "Rogi findet sein Glück" ist beim Mabuse Verlag erhältlich. (Bild: Mabuse Verlag)

Igor Plohl, Urška Stropnik Šonc

Rogi findet sein Glück

Ein Kinderfachbuch über das Leben mit Rollstuhl

38 Seiten, vierfarbig, 22 Euro

ISBN 978-3-86321-622-1

Hier bestellen

2023-04-21
Inklusive Sportfläche auf der REHAB

Inklusiver Kinder- und Jugendsport hat auch in einem sehr traditionellen Verein eine sehr wichtige Funktion. Bei den MTV Wheelers aus Stuttgart arbeitet Mandy Pierer inzwischen hauptamtlich als Inklusionsmanagerin des schon 180 Jahre zählenden „Männerturnvereins“. „Der Name aus der alten Zeit täuscht. Wir haben inzwischen mehr Damen, die auch sportlich sehr aktiv sind, unter unseren 8.500 Mitgliedern. Bei den Parasportlerinnen kommt z.B. Anja Wicker, die erfolgreiche Biathletin, aus dem MTV.“

Seit über neun Jahren betreut sie mit ihrem Ehemann die Wheelers, zunächst im Ehrenamt, und weiß, wie wichtig Sport auch für Menschen mit schweren Einschränkungen ist. Teilhabe ist durch nichts zu ersetzen, gerade bei Kindern baut sie das Selbstbild positiv auf. Ihr 15-jähriger Sohn ist sehr erfolgreich mit dem Handbike unterwegs, aber auch ihre beiden Töchter wirken als Fußgängerinnen mit. Sobald ein Kind den ersten Rolli bekommt, kann es bei den Rolli-Minis das richtige Handling des Fortbewegungsmittels erlernen, ab sechs Jahren bis zum jungen Erwachsenenalter sind es dann die Rolli-Kids, die bei vielen Sportarten mitmachen.

Zu sehen ist ein Portraitfoto von Mandy Pierer, die an einem Tisch steht auf dem der Aufdruck MTV Stuttgart zu lesen ist. Frau Pierer trägt ein gestreiftes Oberteil, hat braune Haare und schauft lächelnd in die Kamera.
Mandy Pierer macht sich als Inklusionsmanagerin stark für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung im MTV Stuttgart. Auch bei der REHAB wirkt sie beit verschiedenen Mitmachaktionen mit. (Bild: Lichtgut Ferdinando Iannone)

Wheelsoccer zum Beispiel ist total cool und extrem inklusiv: Fußgängerkinder in mechanischen Rollis können mit zum Teil schwer betroffenen Kids im E-Rollstuhl in einem Team spielen. Der große Pezziball wird sehr sportlich durch die ganze Halle getrieben. „Am Ende sind alle verschwitzt und glücklich, denn es gibt Regeln für die verschiedenen Situationen, die allen niedrigschwellig das Mitmachen ermöglichen. Zum Glück ändert sich die gesellschaftliche Sicht auf Inklusion langsam, neben Geschwistern und Freunden der jungen Menschen mit Behinderungen sind es auch immer mehr „Fußgänger-Kinder“, die neugierig reinschnuppern und in den Sportgruppen bleiben“, fasst Mandy Pierer zusammen.

An jedem Messetag stehen inklusive Sportspiele auf dem Programm. An einzelnen Ständen und auf der Inklusiven Sportstätte in der dm-arena gibt es Informationen zu vielen Sportarten und Vereinen. Weitere Highlights des REHAB Sportprogramms sind: Adaptive Selbstverteidigung für Alle, präsentiert von Esther Weber, Olympiasiegerin im Rollstuhlfechten und Mitglied im neugegründeten Frankfurter Inklusionssportverein.

Der Badischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband e.V. und der Hessischer Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. sind mit Hockey im Rollstuhl, Biathlon im Rollstuhl dabei, in Vorbereitung ist Powerhockey mit E-Rollstühlen.

Weitere Informationen finden Sie im Messeprogramm.

Wheelsoccer: https://www.facebook.com/watch/?v=340943381370271

MTV Stuttgart: https://www.mtv-stuttgart.de/verein/

Frankfurter Inklusionssportverein: https://fisev.de

Auf dem Foto sind einige Personen im Rollstuhl zu sehen, die mit einem Ball spielen. Im Hintergrund ist das Tor auf das gezielt wird zu sehen.
Vielfältige Sportarten werden bei der REHAB auf der Inklusiven Sportstätte gezeigt und Mitmachangebote laden zum Ausprobieren ein.
2023-04-21
Outdoorspaß Unlimited - Freizeitlösungen für mobilitätseingeschränkte Menschen

Wie gut, dass sich der Markt auf diese immer größer werdende Gruppe aktiver Menschen eingestellt hat und eine breite Palette an Fortbewegungsmöglichkeiten anbietet, die kaum Wünsche offenlässt. Aus ehemaligen Nischenprodukten sind zeitgemäße Mobilitätslösungen geworden, um die immer individueller werdenden Bedürfnisse dieser Zielgruppe zu erfüllen.

Die große Auswahl an Produkten eröffnet Nutzenden viele Einsatzmöglichkeiten: Vom Therapiedreirad für die Kleinsten über elektrounterstützte Zuggeräte für Rollstühle, E-Bikes, Tandems, Liegeräder bis hin zum E- Scooter mit vielen Zurüstungsmöglichkeiten und smarten Steuerungen. Viele Ausstellende bieten in diesem Jahr auf der REHAB wieder Mobilitätslösungen zum Kennenlernen, Anfassen und Ausprobieren für alle Altersgruppen an. Mit diesen Hilfsmitteln können therapeutische Ziele mit der Bewältigung des Alltags und Freizeitaspekten verknüpft werden.

Ein Kind fährt mit einem blauen Dreirad auf der Straße und lacht in die Kamera. Zudem trägt das Kind eine rosafarbene Hose und ein buntes T-Shirt.
Die Firma Schuchmann stellt Kinder-Rehatechnik her - so wie dieses Dreirad. (Bild: Schuchmann GmbH & Co. KG)

Freizeit und Therapie verbinden: „Mobilität ist mehr als Fun!“ Torsten Schuchmann als Hersteller von Hilfsmitteln für den Kinder- und Jugendbereich weiß um die Notwendigkeit, Therapie und Spaß zu verknüpfen. Er findet: „Wir Menschen bewegen uns aus eigenem Antrieb besonders gern in der Gemeinschaft, wenn es Spaß macht. Warum also nicht Produkte entwickeln, die Teilhabe ermöglichen und mit therapeutischem Nutzen verknüpfen. Wir wollen aktiven Menschen die bestmögliche Unterstützung bieten, um mobil zu sein. Aktivität fördert deren Selbständigkeit, trainiert Kreislauf, Gleichgewicht, räumliches Denken, Muskeln und festigt die knöcherne Struktur. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern für alle Menschen.“

Erschließung des Nahbereichs: Vom Kleinkind mit angeborener Behinderung bis hin zu älteren Personen mit eingeschränkter Mobilität gilt der Anspruch der selbständigen Bewältigung des Alltags und der Erschließung des Nahbereichs – wie der Weg zur Schule, zum Arzt oder auch Supermarkt. Die immer leichter zu handhabenden Mobilitätslösungen sichern den Menschen die Möglichkeit der selbstbestimmten Lebensführung. Mit zunehmender Alterung unserer Gesellschaft ist es ein wichtiger Aspekt, Menschen so lange wie möglich mobil zu halten.

Teilhabe sichern: Gerade im Freizeitbereich wächst der Bedarf bei mobilitätseingeschränkten Menschen, im Familien- oder Freundeskreis bei gemeinsamen Aktionen dabei zu sein. Im Kinderbereich sind mitwachsende Unterstützungsmöglichkeiten gefragt und individuelle Anpassungen an die jeweiligen Nutzenden, aber auch hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten in allen Altersstufen notwendig.

Zu sehen ist eine Frau und ein Mann im Rollstuhl, die auf einer Straße in der Stadt unterwegs sind. Beide Rollstuhlfahrer nutzen ein Zuggerät zur Fortbewegung.
Rollstuhlzuggeräte, Vorspannbikes und weitere spannende Mobilitäts-Hilfsmittel können auf der REHAB getestet werden. So finden Sie auch die Produkte von SwissTrac vor Ort.

Individualität wird großgeschrieben: Die Produktpalette der Herstellenden zeigt den Messebesuchern auf der REHAB, worauf es ankommt: Schnell anpassbare, transportable und zurüstbare Produkte sind gefragt. Vom Reha-Hilfsmittel entwickeln sich die Mobilitätslösungen immer mehr zum Lifestyle-Produkt. Mit speziellen Microchips ausgestattet und über Apps individuell zu steuern machen es Hersteller möglich, die Antriebe und Fahrzeuge an das jeweilige Nutzerprofil und die Fähigkeiten anzupassen.

Was für Kinder gilt, kann im Erwachsenenbereich weitergedacht werden: Dreirädrige Scooter mit großer Standfläche und E-Antrieb wie z.B. von Micro Mobility Systems fördern Gleichgewicht, Motorik, unterstützen Therapien und vergrößern den Aktionsradius – auch für ältere Menschen.

Rollstuhlzuggeräte oder Vorspannbikes wie z.B. von Swiss-Trac oder R&E Stricker ermöglichen es, größere Strecken, unebenes Gelände, Steigungen und den Transport per PKW oder ÖPNV zu bewältigen – in jedem Alter.

Auf dem Foto ist ein Mann, eine Frau und ein Tandemfahrrad zu sehen. Der Mann sitzt auf dem Sitz des Tandems und schaut lächelnd in die Kamera. Die Frau steht hinter dem Tandem und stellt den Sitz ein.
Spaß im Doppelpack - das kann man mit dem Parallel Tandem Fun2Go des Herstellers Van Raam B.V. erleben. (Bild: Van Raam B.V.)

Im Bereich Fahrrad gibt es viele Variationen, um körperliche Aktivität, Therapie und Freizeitvergnügen zu verbinden: So ist vom Liegerad über Cargobikes, Tandems, Falträdern bis hin zum Therapierad oder Reha-Fahrzeug auf der Messe alles zu sehen und auszuprobieren. Mit entsprechenden elektrischen Tretunterstützungen und unterschiedlichen Antriebsarten vergrößert sich der Aktionsradius, ein z.B. Dreirad oder Liegerad gibt zusätzliche Stabilität wie beim Easy Rider Compact von Van Raam oder Trix und Trigo UP von Hase Bikes zu sehen oder bei Therapierädern der Firma Schuchmann im Kinder- und Jugendbereich wie dem neuen mitwachsenden Liegedreirad mats.

Radfahren mit Menschen, die sich nicht mehr allein im Verkehr zurechtfinden? Auch das geht mit z.B. dem überarbeiteten Parallel Tandem Fun2Go des Herstellers Van Raam.

Extrem beweglich auf nur zwei Rädern und dennoch sicher unterwegs verspricht der Personal Transporter JOYY ONE der Firma JOYY Mobility, der mit elektrischem Antrieb, ergonomischem Sitz und einer Stabilisierungstechnologie ausgestattet ist, sicheres und wendiges Fahren.

Zurüstungen über Joy Sticks und Steuerungen über Smartphones machen die Nutzung einfach, sicher und individuell anpassbar.

In vielen Fällen ist eine Kostenerstattung möglich

Oft kommen sowohl die Krankenkassen oder andere Kostenträger zwecks Kostenübernahme im Rahmen des Sachleistungsprinzips infrage: Wenn ein Produkt kein Gegenstand des täglichen Lebens ist, speziell für diesen Zweck gebaut ist, und nach §33 SGB V dem „Ausgleich einer Behinderung“ und einer erheblichen Verbesserung der Mobilität des Nahbereiches oder zur Sicherung der Krankenbehandlung bzw. der Abwendung einer drohenden Behinderung dient, kommen sowohl die Krankenkassen oder andere Kostenträger ins Spiel.

Auch nach SGB IX und den darin verankerten Teilhabezielen, die es einem Menschen mit Behinderung zusichern, ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu führen mit dem Grundrecht auf persönliche Mobilität und der Sicherung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, ist eine Kostenübernahme möglich.

Die Möglichkeit zum Ausprobieren sollte man sich bei den vielen Ausstellenden auf der 22. Europäischen Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion in Karlsruhe nicht entgehen lassen – auch der Testparcours bietet spannende Gelegenheiten, sich und die neuen Produkte auszuprobieren.

2023-03-22
 „Health Technologies“: Wie KIT und Anwendende digitale Medizinprodukte entwickeln

Mit mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Disziplinen der Medizintechnik, der additiven Fertigung, der Robotik, den Lebens- sowie den Datenwissenschaften hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das Zentrum „Health Technologies“ ins Leben gerufen. Das Ziel des Zentrums ist es, neue medizinische Produkte auf digitaler und technologischer Basis zu entwickeln.

Nutzende müssen Daten liefern

Die Forschenden machen das aber nicht alleine. Sie sind in besonderer Weise auf die Nutzerinnen und Nutzer angewiesen, für die die Medizinprodukte einmal gedacht sind. Nutzende liefern etwa mit Smart Watches oder anderen intelligenten Geräten genaue Daten des menschlichen Körpers, die in die Forschung mit einfließen.

Andrea Robitzki, verantwortliche Bereichsleiterin für das KIT-Zentrum Health Technologies am KIT, sagt: „Unsere Vision ist, dass Patientinnen und Patienten sowie Bürgerinnen und Bürger der Region direkt mit Ärztinnen und Ärzten und Kliniken sowie anderen Akteuren des Gesundheitswesens im Großraum Karlsruhe interagieren. So wollen wir ein einzigartiges Ökosystem schaffen.“

Auf Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft eingehen

Mit dem Projekt will man laut Professor Oliver Kraft, Vizepräsident für Forschung am KIT, auf die Bedarfe einer älter werdenden Gesellschaft eingehen und diese durch ein forschungsorientiertes Studieren mit modernen, neuen Angeboten ergänzen.

Die Forschenden arbeiten unter anderem in den Bereichen der humanoiden Robotik, an Exoskleletten, an Beschleunigertechnologien für Strahlendiagnosesystemen, an Biomaterialien, Präzisionsmedizin für personalisierte Therapien. Und auch der Schutz von Gesundheitsdaten und digitaler Gesundheit ist im Fokus der Forschung.

Finden Sie HIER weitere Infos zum Projekt des KIT.

2023-03-22
Diese Hilfsmittel unterstützen Pflegebedürftige und Angehörige im Haushalt

Umso wichtiger ist es, das häusliche Umfeld der Pflegebedürftigen so zu gestalten, dass einerseits eine größtmögliche Selbstständigkeit gesichert ist und andererseits bestmögliche Unterstützung für die Pflegenden vorhanden ist.

Marktplatz Homecare bietet Lösungen

Hier setzt der Marktplatz Homecare und Pflege der 22. REHAB in Karlsruhe vom 15. bis 17. Juni an. Gemeinsam mit dem Competenz-Netzwerk außerklinische Intensivversorgung e.V. (CNI) und der Fachzeitschrift „beatmet leben“ von hw-Studio Weber wird in den Karlsruher Messehallen ein Überblick über Produkte und Dienstleistungen geboten, die Menschen mit Assistenzbedarf den Alltag erleichtern sowie pflegende Angehörige und Fachkräfte in ihrer Arbeit unterstützen. Begleitende Vorträge durch die teilnehmenden Ausstellenden bieten vertiefende Hilfestellungen.

Sven Kübler aus dem Vorstand des CNI verspricht: „Wir werden in unseren Vorträgen im Rahmen der REHAB gezielt auf aktuelle gesetzliche Entwicklungen reagieren, beispielsweise wird die Umsetzung des Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetzes (IPReG) mit den praktischen Folgen für die außerklinische Intensivpflege kritisch beleuchtet. Ein Schwerpunkt der REHAB ist die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Daher ist auch deren „Transition“, also der Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter, ein Punkt auf unserer Themenagenda.“

Entbürokratisierung im Gesundheitswesen steht im Koalitionsvertrag – hier engagieren sich das CNI und seine Mitglieder besonders: „Politische Gespräche quer durch alle Parteien befassen sich zur Zeit mit der Unsinnigkeit der ständigen Folgeverordnungen für Hilfsmittel bei Menschen, die ihr Leben lang diese gleichen benötigen. Wenn einmal ein Bedarf da ist, wird sich das lebenslang nicht mehr ändern. Da braucht es nicht ständig neue Rezepte, die von den Patientinnen und Patienten, den Versorgenden, Providern, Pflegediensten und den beteiligten Ärztegruppen mit großem Aufwand immer wiederkehrend neu beschafft werden müssen“, reklamiert Kübler.

Eine Treppe, deren Stufen bran-weiß und deren Geländer weiß ist, führt vom Erdgeschoss in das erste Obergeschoss. Am Fuß der Treppe befindet sich ein hellbrauner Stuhl, das ist der Captura-Lifta.
Der Captura-Lifta hilft Menschen dabei Treppenstufen bewältigen zu können. (Bild :Lifta)

Dabei hat die Politik schon eine Vereinfachung in der Versorgung eingeführt. Seit 2022 können professionelle Pflegekräfte auf vereinfachten Formularen selbst – ohne zunächst eine ärztliche Verordnung einzuholen – die benötigten (Pflege-)Hilfsmittel verordnen. Da sie ihre Patientinnen und Patienten gut kennen, wissen Fachkräfte, welche Bade-, Hygiene-, Mobilitäts-, Transfer- und Lagerungshilfen die zu Pflegenden in einer eigenständigen Lebensführung unterstützen können.

4.000 Euro Zuschuss pro baulicher Maßnahme - nicht bloß Person

Für die bauliche Anpassung des eigenen Zuhauses sind Zuschüsse bis zu 4.000 Euro pro zu pflegende Person im Haushalt gewährleistet. Hier klärt Rechtsanwalt Jörg Hackstein auf: „Es handelt sich nicht um einen einmaligen Zuschuss. Wenn eine neue Maßnahme benötigt wird, kann der Zuschuss von bis zu 4.000 Euro neu beantragt werden. Eine neue Maßnahme liegt vor, wenn weitere Verbesserungen des individuellen Wohnumfeldes aufgrund einer objektiven Änderung der Pflegesituation erforderlich werden, die im Zuge der früheren Umbaumaßnahmen noch nicht notwendig waren.“

Auf der REHAB können viele neue und bewährte Produkte zur Wohnumfeldanpassung entdeckt und ausprobiert werden. Vor allem die mobilen Hublifter garantieren persönliche Bewegungsfreiheit in den eigenen Räumen und schützen den Rücken der Pflegenden beim Transfer in allen Lebenslagen. Mit Marktführern wie SLK, Petermann, Liftstar, Liftec und handi-move bekommen die Besuchenden der REHAB einen kompletten Überblick über die breitgefächerte Produktpalette. Fahrbar, statisch, über Deckenschienen etwa vom Bett zum Bad beweglich; die Hilfsmittel sind so individuell wie die Menschen, die sie benötigen.

Mobile Rampen vor dem Hauseingang oder zum Autoeinstieg werden von den Kostenträgern übernommen, zunehmend gehen die mobilitätseingeschränkten Personen größere Umbaumaßnahmen in ihren Wohnungen oder Privathäusern an, um möglichst lange möglichst unabhängig in ihrem persönlichen Zuhause bleiben zu können. Hierfür bietet Lifton raumsparende Plattformlift-Lösungen für Innenräume und zum Außenanbau an, die mit Zuschüssen aus dem Wohnumfeld-Verbesserungsbudget der Pflegeversicherung finanziert werden können und günstiger sind als echte Kabinenaufzüge.

Wie mehrgeschossige Reihenhäuser barrierefrei werden

Das sind platzsparende Design-Aufzüge mit minimalen Deckendurchbrüchen, langsam fahrend, aber bis zu fünf Etagen abdeckend. So kann auch ein mehrgeschossiges Reihenhaus barrierefrei werden. Davon profitieren nicht nur Rollstuhlnutzende oder Menschen mit Behinderungen, auch Senioren und Familien mit kleinen Kindern sind Nutznießer des generationenübergreifenden Komforts.

Ein Mann um die 80 Jahre trägt einen dunkelblauen Bademantel und steht gerade von einer Toilette auf. Er hält sich mit seiner rechten und linken Hand and speziellen Griffen fest. Dieses System ist die Quattro-Power-Stütz-Toilette von Roth.
Die Quattro-Power-Stütz-Toilette von Roth hilft Menschen beim Gang zum und weg zur Toilette. (Bild: Roth GbmH)

INFO

Laut Statistischem Bundesamt gibt es knapp fünf Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, davon waren vier Fünftel 65 Jahre und älter, ein Drittel war mindestens 85 Jahre alt. Angesichts der demographischen Entwicklung der deutschen Gesellschaft müssen Betroffene, Versorger und auch die politischen Entscheiderinnen und Entscheider realisieren, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, massiv ansteigt.

Während bei den 70- bis 74-Jährigen rund neun Prozent pflegebedürftig waren, wurde für die ab 90-Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt. In diesem Alter waren 82 Prozent der Menschen pflegebedürftig.

2023-03-22
Pädiatrische Rehabilitation: Kaum vergleichbare Krankheitsbilder machen wissenschaftliche Studien unmöglich

„Evidenzbasierung in der pädiatrischen Therapie – kriegen wir eigentlich gar nicht hin“, sagt Dr. Kristina Müller. Dazu habe man in der Kinder-Rehabilitation viel zu selten gleiche und damit vergleichbare Verläufe, um randomisierte Studien zu machen. Dennoch benennt die Neuropädiaterin ihren Beitrag im Rahmen des Interdisziplinären Therapeutenkongresses CON.THERA, der parallel zur REHAB in Karlsruhe stattfindet, genau so. Aber warum?

Zu sehen ist Dr. Kristina Müller im Porträt. Sie trägt eine braune Brille, hat kurzes dunkles Haar mit grauen Strähnen. Dr. Müller lacht und schaut dabei in die Kamera. Sie trägt außerdem ein weißes Oberteil mit Kragen sowie eine schmale Kette um den Hals.
Dr. Kristina Müller ist Kinderneurologin und hält während des Therapeutenkongresses CON.THERA, der im Rahmen der REHAB stattfindet, einen Vortrag. (Bild: St. Mauritius Therapieklinik Meerbusch)

Die renommierte Kinderneurologin blickt bei ihren Behandlungen in der Mauritius-Therapieklinik auf 23 Jahre Erfahrung mit jungen Patientinnen und Patienten zurück. Für sie schließt sich so der Kreis zur Forschung: „Wissenschaftliche Studien als Format haben zu strenge Kriterien, dennoch müssen wir uns lerntheoretischen und anderen statistischen Modellen stellen, um die Wirksamkeit unserer Behandlungen zu belegen, und damit auch deren Finanzierung bei den Kostenträgern sicherzustellen.

Hier können wir aus der Erwachsenenneurologie lernen. Die Reparaturmechanismen des Gehirns sind bei Kindern nicht so anders und die Behandlungsprinzipien durchaus übertragbar.“

Ein Mädchen befindet sich in einem Reha-Bereich. Sie trägt ein pinkes T-Shirt und eine grau-pinke Sporthose. Das Mädchen staht auf dem rechten Bein. Ihr linkes Bein ist vom Oberschenkel ab amputiert. Sie trägt am linken Bein eine Prothese, die bis zum Boden reicht. Mit dieser steht sie ebenfalls auf dem Boden. Das Mädchen hält sich mit beiden Armen und Händen an einer rollbaren Stütze fest und schaut dabei eine Therapeutin an, die ihr gegenübersteht.
Die Firma Schuchmann stellt Kinder-Rehatechnik her - so wie diese Prothese. (Bild: Schuchmann)

Wichtig sind für Kristina Müller pädagogische Erkenntnisse der pädiatrischen Therapie. Vor allem die häufige Wiederholung, eine hohe Trainingsintensität, eine förderliche Umgebung und unter Umständen die passende Medikamentenbegleitung führten zu Rehabilitationserfolgen: „Repetitio est mater studiorum – die Alten hatten Recht,“ versichert die Meerbuscherin und fährt fort: „Nur mit aktuellen Therapieverfahren auf höchstem Niveau können wir unserem Anspruch gerecht werden und die Entwicklungspotenziale von Kindern und Jugendlichen mit neurologischen Erkrankungen voll ausschöpfen“.

Virtuelle Realität im Trainingsmodus und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sorgen gerade bei jungen Menschen in der Reha für mehr Akzeptanz durch Spaß und Spannung bei den vielen notwendigen Wiederholungen. So lernt das Gehirn und wird zu Höchstleistungen angeregt. Der Spaßfaktor ist extrem wichtig. Mit robotergestützten elektronischen Trainingsgeräten ist die Motivation hoch, so können die Patientinnen und Patienten auch nach der stationären Reha in der Klinik sinnvoll zuhause weiterüben. „Aber hier stehen wir erst am Anfang, da wird noch extrem viel passieren,“ sagt Dr. Müller.

Gangroboter entlastet Therapeutinnen und Therapeuten

Schon jetzt wird das Therapiepersonal durch Gangroboter und andere Trainingsgeräte entlastet und kann sich mehr den individuellen Patientenbedürfnissen widmen. Das Teilen von Neurowissen und Forschungsergebnissen sowie Evidenzbasierung durch Beobachtung ist auch in der Therapeutenausbildung extrem wichtig. Deshalb ist der Kongress CON.THERA interprofessionell und auch interdisziplinär aufgestellt und richtet sich an alle im Versorgungsprozess beteiligten Berufsgruppen. „Insgesamt schreitet die Akademisierung stark voran, dennoch macht mindestens genauso das Erfahrungswissen und die menschliche Zugewandtheit begnadete Therapeutinnen und Therapeuten aus.“

Ein Junge, etwa sieben Jahre Alt, trägt ein gelbes T-Shirt. Er hat braune Haare und befindet sich in einem Therapieständer der Firma Otto Bock. Der Therapieständer ist orange und hat zwei große Schlaufen, die den Jungen festhalten. Der Junge lacht und schaut dabei eine Therapeutin an, die ebenfalls lacht und einen grünen Handball großen Ball in ihren Händen hält.
Der Therapieständer von Otto Bock hilft Kindern trotz Einschränkung aufrecht zu stehen und fördert so die korrekte Entwicklung des Körpers. (Bild: Otto Bock)

Die aktuellen Entwicklungen bei der Genehmigung sowohl von Rehamaßnahmen als auch von Hilfsmitteln von Seiten der Kostenträger beobachtet Dr. Kristina Müller mit großer Sorge: „Mangelnde Evidenzbasierung bestimmter Therapien und Hilfsmittel wird als Vorwand benutzt, Maßnahmen pauschal abzulehnen. Eine Zeit lang hat die Kinderversorgung gut geklappt, aber nun haben wir uns wieder dem Zustand von vor 20 Jahren zurückgenähert: Die Patientinnen und Patienten werden monate-, wenn nicht jahrelang bei Reha- und Hilfsmittelanträgen wie auf einem Verschiebebahnhof zwischen den Kostenträgern hin- und hergeschickt. Mal verweist die Krankenkasse auf die Rentenversicherung oder die Eingliederungshilfe, mal geht es andersherum.“ Die Leidtragenden seien die Kinder und Jugendlichen, sie müssten viel zu lange auf Versorgungen und Zusagen warten. Dabei schlössen sich wichtige Entwicklungsfenster. Chancen zur Verbesserung ihres Zustandes würden endgültig vertan.

Dr. Müller kritisiert außerdem den hohen Verwaltungsaufwand. Statt einer aufgeblähten Bürokratie mit einer Flut an auszufüllenden Formularen, solle die Zeit lieber in die Therapie von Menschen investiert werden.

Finden Sie hier weiterführende Links zum Thema:

2023-03-22
Notfallsituationen von Menschen mit Beatmung: So wird ihnen besonders schnell geholfen

Ein Stromausfall ist für die meisten Menschen ärgerlich. Für Menschen mit Beatmung kann er dagegen lebensgefährlich werden. Im Portal der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Menschen mit Beatmung (DIGAB) gibt es zahlreiche Informationen sowie nützliche und wertvolle Tipps für ein selbstbestimmtes Lebens mit Beatmung.

Der Ratgeber zum Thema Stromausfall enthält wichtige Notfallnummern, Apps, Hinweise zur Vorsorge oder sogar Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit ohne Atemgerät auszukommen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit kann er eine gute Orientierungshilfe sein und die entsprechenden Fragen stellen, die jeder Mensch mit Beatmung in sein individuelles Notfallmanagement integrieren kann.

Der Notfallrucksack etwa enthält Papiere, Nachweise und Ersatzmaterialien für den täglichen Bedarf unterwegs. Er macht allerdings nur Sinn, wenn die Bestückung aktuell ist, bedient werden kann und gut und sinnvoll gepackt ist. Eine Zusammenstellung aller sinnvollen Inhalte findet sich HIER.

2023-03-22
Das Wörterbuch der selbstbestimmten Teilhabe

Auf deren Website liefert ein Wörterbuch Unterstützung für alle Menschen, die sich für die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung interessieren. Die darin enthaltene Begriffssammlung soll helfen, sich besser auf ein Beratungsgespräch vorzubereiten, Leistungen zu beantragen oder Gesetze besser zu verstehen, aber auch mit der Begriffsklärung Bewusstsein schaffen für die selbstbestimmte Interessenswahrnehmung.

Zum Buch geht es HIER

2023-02-23
Eigenhändig den Alltag meistern – auch mit schwacher Handfunktion
Eine junge Frau sitzt in einem Rollstuhl und arbeitet an einem Laptoop. Ihr rechter Arm liegt dabei auf einer Armstütze auf, die es ihr ermöglicht, auf der Tastatur zu tippen. Die Frau trägt einen roten Pullover, hat blonde Haare und eine Brille.
Die Armstütze von Kinova wird an einem Arbeits- oder Rollstuhl angebracht, um den Arm bei verschiedenen Bewegungen zu unterstützen. Dabei hilft eine Kombination aus dem eigenen Arm und der Armunterstützung den Anwenderinnen und Anwendern, sich frei zu bewegen. (Bild: Kinova)

Das Greifen ist wichtig, um sich zu entwickeln und selbstständig am Leben teilhaben zu können. Das gilt auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Es gilt, deren Greifvermögen aufzubauen, zu erhalten oder wieder möglich zu machen.

Bei vielen Studien unter gelähmten Menschen, neurologisch betroffenen Schlaganfall-Patienten, Menschen mit Rheuma und anderen Ursachen von Hand- und Armkraftverlust, kam immer wieder heraus, dass die Handfunktion und die Mobilität der oberen Extremität lebenswichtig sind.

Der Fokus auf selbstständige und selbstbestimmte Aktivität wurde spätestens 2020 mit dem neuen Bundesteilhabegesetz BTHG festgeschrieben. Der Perspektivwechsel vom Versorgt werden zum Selbstversorgen hat sich aber schon seit vielen Jahren in der Medizin etabliert.

Aussteller präsentieren Hilfsmittel auf der REHAB

Nationale und internationale Hilfsmittelhersteller haben diese Herausforderungen angenommen und in der Pandemiephase konsequent in neue Technologien umgesetzt. Auf der REHAB 2023 in der Messe Karlsruhe wird ein großes Spektrum von Arm- und Handmobilitätshilfen für Nutzende jeden Alters und diverser Einschränkungen vorgestellt.

Ein älterer Mann mit Brille und Halbglatze trinkt aus einer roten Tasse. Er sitzt an einem Tisch. Sein linker Arm liegt auf diesem auf, sein rechter Arm, der die Tasse zum Mund führt, liegt in einer Armstütze vom Hersteller Kinova.
Neben dem Gowing bietet Kinova auch den Dowing an. Er ist mit einem Motor ausgestattet und für schwächere Patientinnen und Patienten geeignet. (Bild: Kinova)

Kinova, ein kanadischer Anbieter von Roboterlösungen für Menschen mit Behinderung, hat sein Portfolio um zwei dynamische Armunterstützungssysteme erweitert. Der „Gowing“ und der „Dowing“ helfen Menschen mit erkrankungs- oder unfallbedingt eingeschränkter Armfunktion. Restkräfte sind bei vielen Betroffenen vorhanden, diese werden mit den Kinova-Produkten aktiviert und unterstützt.

Der „Gowing“ ist eine Art mechanische, flexible und individuell gefertigte Armauflage, die überall an Therapiestühlen oder Sitzmöbeln befestigt werden kann. Dies ist auch für Kinder in der Kita und Schule ein Hilfsmittel, um die Kleinen zu fördern, mit gleichaltrigen Freunden Aufgaben zu erledigen und so selbstständig zu werden.

Ziel: Steigerung der Lebensqualität

Für schwächere Patientinnen und Patienten ist der „Dowing“ mit einem Motor ausgestattet. Dennoch ist er ein leichteres Hilfsmittel als der bereits seit Jahren bekannte Roboterarm für Tetraplegiker und Muskelerkrankte. Die Lebensqualität der User und der gesetzmäßige Ausgleich der Behinderung durch High-Tech steht bei all diesen Lösungen im Vordergrund.

Eine junge Frau mit braunen langen Haaren und einer runden Brille steht an einem Tisch, auf dem Obst in Schalen und auf einem Brett liegt. Ihre linke Hand liegt mit den Fingerspitzen auf dem Tisch auf, an der linken Hand trägt sie eine Orthose von HKK Bionics. Damit hält sie ein Schneidemesse in der Hand.
HKK Bionics stellt myoelektrische Handorthosen für Menschen her, deren Hände vollständig gelähmt sind (Bild: HKK Bionics)

HKK Bionics, ein Startup von zwei Medizintechnik-Studenten aus Ulm, erfand für vollständig gelähmte Hände die erste myoelektrische Handorthese, die „Exomotion Hand One“. Dabei werden künstliche Sehnen durch Motoren im Orthesen-Handschuh mit einer Armschiene bewegt, die Impulse kommen aus einem noch aktiven Muskel, der am betroffenen Arm oder etwa im Rücken angesteuert wird. So können sich die Finger mit unterschiedlichen Greifarten zum Essen, Trinken oder Türen öffnen bewegen. Das innovative Konzept wird bereits von vielen Sanitätshäusern in Deutschland mit individuellen Anpassungen der Fingerlinge und Schienen im Sonderbau umgesetzt.

Ein Mann mit schwarzgrauem Haar steht in einer Küche. Mit der rechten Hand hält er einen Teller fest, auf dem ein Stück Parmesankäse liegt. An seiner linken Hand trägt er eine Carbonhand von Exxomove und reibt damit den Käse.
Exxomove stellt Carbonhände her. Hierfür müssen Anwenderinnen und Anwender aber gewisse Restkräfte haben. (Bild: Exxomove)

Ein eigenständiges Leben trotz Multiple Sklerose (MS), Arthrose oder schmerzhaften Veränderungen der Hände ermöglicht die Carbonhand des süddeutschen Unternehmens Exxomove. Hier müssen allerdings ausreichend Restkräfte vorhanden sein, die ebenfalls über künstliche Sehnen und Sensoren an den Fingerspitzen die beabsichtigte Greifbewegung verstärken. Dies kann auch zur Therapie und für Reha-Trainingszwecke zum Aufbau von Kraft und Ausdauer genutzt werden.

Eine künstliche Hand, die einen Löffel festhält, greift in eine Schale mit Müsli und Milch.
Mit dem Handadapter von Neofect ist beispielsweise das Essen von Müsli möglich. (Bild: Neofect)

Funktionelles Greifen mit der eigenen Hand und mit der Hilfe von magnetisch auswechselbaren Zubehörelementen, das ist das variable Tactee-Konzept von Neofect. Ein einfach anzuziehender Handadapter in drei verschiedenen Größen wird über die Handfläche gestreift. Durch ein patentiertes Magnet-System können unterschiedliche Alltagshilfen angeschlossen werden. Dabei stehen Ess-Besteck, Stifte, die Zahnbürste, ein Kamm, ein Trinkflaschenhalter und eine Reihe anderer Module zur Verfügung. Dies unterstützt ältere Menschen mit wenig Kraft beim Greifen genauso wie sehr individuell neurologisch eingeschränkte Menschen nach Schlaganfall, bei Multiple Sklerose oder anderen Krankheitsbildern.

Ziel: Steigerung der Lebensqualität

Über allem steht die Erhaltung von Lebensqualität durch Autonomie und Selbstständigkeit: Das Bundesteilhabegesetz legt einen deutlichen Schwerpunkt auf Arbeitsintegration und Alltagsbewältigung – und das gilt unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung und damit auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Es geht daher immer darum, gemeinsam mit den behandelnden Medizinerinnen und Medizinern, Therapeutinnen und Therapeuten und den Nutzenden selbst den Alltags- und Teilhabebedarf zu beschreiben. Aus diesen Anforderungen kann man mit der Unterstützung eines Sanitätshauses das richtige Hilfsmittel auswählen und bei der Krankenkasse beantragen.

Ausprobiert werden können alle genannten Hilfsmittel auf der 22. Europäischen Fachmesse REHAB vom 15. -17. Juni 2023 in der Messe Karlsruhe. Der Interdisziplinäre Therapeutenkongress CON.THERA begleitet mit praxisnahen Fortbildungsangeboten Therapeutinnen und Therapeuten sowie Reha- und Orthopädietechniker beim Wissensaufbau.

  • Infos zu Exxomove finden Sie HIER
  • Weitere Infos zu den Produkten von HKK Bionics erfahren Sie HIER
  • Alles zu den Konzepten von Neofect finden Interessierte HIER
  • Die Alltagshilfen von Kinova gibt es HIER

2023-02-23
Neuro-Forschung bei Querschnittlähmung: Wissen aus dem Uniklinikum Heidelberg exklusiv für REHAB-Kongressbesuchende

„Die Forschung rund um Querschnittlähmung wird gerade hier bei uns am Universitätsklinikum Heidelberg besonders wichtig genommen. Leider haben wir bei großen Projekten, die auf internationale Fördertöpfe angewiesen waren, durch die Coronazeit Stillstand oder sogar Rückschläge verzeichnen müssen“, bedauert Professor Rüdiger Rupp vom Universitätsklinikum Heidelberg.

„Aber dennoch: Aktuelle Studien machen Hoffnung, dass zukünftig einzelne Funktionen durch Stimulationsimplantate direkt am Rückenmark verbessert werden können. Bei einem schwer verletzten Rückenmark speziell bei Hoch-Querschnittgelähmten können mittels Brain-Computer-Interfaces, auf Deutsch Gehirn-Computer-Schnittstellen, auf intuitive Weise Neuroprothesen oder Roboterarme gesteuert werden. Aber: Bevor eine solche High-End-Wissenschaft bei den Patienten ankommt, kann es sehr lange dauern“, so Rupp weiter.

Sein Forschungslabor für Assistive Neurotechnologie hat Professor Rupp direkt neben der Station der Klinik für Paraplegiologie des Uniklinikums Heidelberg. „So können die Ergebnisse unserer Forschung zügig an die Patienten kommen, wir können im direkten Austausch messen und beobachten, wie die Hilfsmittel und Neuroorthesen den Alltag der Betroffenen verändern. Das ist extrem wichtig, denn wir finden nur durch Tests mit Betroffenen heraus, ob sie nur unter Laborbedingungen funktionieren und ihre Alltagstauglichkeit aufgrund komplexen Handlings doch noch nicht gegeben ist.“

Forschungsbereich Paraplegiologie

Der Ingenieur mit Karlsruher Wurzeln hat vor 27 Jahren an der renommierten Klinik für Paraplegiologie in Heidelberg einen eigenen Forschungsbereich etabliert. Über diese Zeit habe sich die Gruppe der Patienten sehr verändert. Das Durchschnittsalter liege inzwischen bei über 60 Jahren, denn nicht mehr die klassischen Motorrad- oder Badeunfälle bei jungen Männern, sondern Diagnosen aus der Neurologie und Orthopädie - wie entzündliche, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen oder Tumore - sind heutzutage die häufigsten Ursachen für eine Querschnittlähmung.

Professor Rüdiger Rupp ist im Profilbild zu sehen. Er trägt eine dunkle Brille, lächelt mit Blick in die Kamera, trägt eine blaue Krawatte mit rot-weißen Streifen, ein hellblaues Hemd und ein dunkelblaues Sakko.
Professor Rüdiger Rupp forscht an der Universität Heidelberg schon lange zum Thema Querschnittlähmung.

Nicht-unfallbedingte Lähmungen sind häufig inkomplett mit noch vorhandenen Teilfunktionen. Diese kann man wie bei nichtbehinderten Menschen mit vielen Wiederholungen einer Bewegungsaufgabe verbessern und mit gezielten Übungen trainieren. Hierbei benötigen Patientinnen und Patienten gerade in der frühen Phase Unterstützung bei der Bewegungsausführung, so dass zur Entlastung von Therapeuten immer mehr robotische Trainingsgeräte, beispielsweise der Lokomat, oder auch Exoskelette eingesetzt werden. Das Behandlungsergebnis kann noch deutlich verbessert werden, wenn das Training durch innovative, zum Teil implantierbare Elektrostimulationssysteme unterstützt wird.

„No risk, no fun“

Wieder Professor Rupp: „Aber jede Rückenmarksverletzung und jeder Mensch ist hoch individuell zu betrachten, die Liegezeiten hier in der Klinik sind deutlich kürzer als früher und wir haben viel weniger Zeit, um Patienten für den selbstbestimmten Alltag zuhause vorzubereiten. Hier ist viel Eigenmotivation gefragt. Ganz toll helfen die Peer-Programme der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten (FGQ). Peers sind Betroffene, die bereits länger Erfahrung im Leben mit Querschnittlähmung haben und als Experten in eigener Sache die Rückkehr in den häuslichen Alltag, das Familienleben und das Arbeitsumfeld mit praktischen Tipps begleiten.“ Professor Rüdiger Rupp engagiert sich seit vielen Jahren als Vorstand in der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung, die mit ihrer Präventionskampagne „No risk, no fun“ die Arbeit der FGQ unterstützt.

Fortschritte bei Assistiven Technologien helfen schon jetzt: Mit intelligenten Handschuhen, die mit äußerlich angebrachten Elektroden die gelähmten Muskeln aktivieren, können Betroffene wieder selbständig essen und trinken. Für manche Menschen mit hoher Querschnittlähmung ist die sehr bewusste Steuerung von Armbewegungen und Greifaktionen eines Roboterarms möglich. Allerdings muss die gewünschte Bewegung gedanklich in Teilschritte zerlegt und eine Bewegung nach der anderen durchgeführt werden. Wesentlich schneller und intuitiver lässt sich die Steuerung mit Eye-Trackern in besonderen Brillen umsetzen, so dass der Arm oder der Rollstuhl in die gewünschte Richtung bewegt werden kann. Das Ganze ist aber nicht ganz fehlerunanfällig und nicht für jeden Patienten im Alltag einsetzbar.

Marktplatz auf der REHAB 2023

Auch wenn das Wunder der Heilung einer Rückenmarkschädigung noch in weiter Ferne bleibt, stimmt die große Auswahl an individuellen Hilfsmitteln, digitalen Lösungen, Anwendungen aus der Virtuellen Realität für Alltagsbewältigung und Therapie optimistisch. Auf der REHAB 2023 finden die Anwenderinnen und Anwender Ideen und Kontakte auf den Marktplätzen Mobilität & Alltagshilfen, Gehirn & Neuroreha sowie am Gemeinschaftsstand des europäischen Industrieverbands DATEurope – Digital Assistive Technology.

Annika Gehrmeyer, Projektleiterin der REHAB, freut sich über den Fokus Neurotechnologie bei der REHAB 2023 und dem CON.THERA-Kongress: „Hier sieht man von Messe zu Messe, wie aktuelle Entwicklungen, Verbesserungen und Innovationen immer schneller zu den Menschen kommen, die sie brauchen und nutzen. Kennenlernen neuer Technologien, Ausprobieren und persönlicher Austausch zu hochwertigen Hilfsmitteln wird immer wichtiger.“

Hand-Arm-Nutzung hat höchste Priorität

Professor Rupp resümiert: „Besonders berühren mich immer noch die Badeunfälle von jungen Menschen, denn hier treten oft hohe Querschnittlähmungen in der Halswirbelsäule auf, zumeist motorisch komplett mit wenig Hoffnung auf Erholung. In all den Jahren haben wir gelernt, dass gar nicht das Gehen im Fokus der Menschen mit Querschnittlähmung ist. Vielmehr hat die Hand-Arm-Nutzung höchste Priorität, und auch das möglichst selbständige Blasen- und Darmmanagement sowie die Sexualitätsfunktionen. Da müssen alle Professionen ihren Patienten gut zuhören und zusammenarbeiten, um echte Lebensqualität zu erreichen.“

2023-02-23
Alltagshacks: Gute Ideen von und für Menschen mit Behinderung

Genau das ist das Konzept des „Club der Alltagspioniere“. Hier werden Ideen von und für Menschen mit Behinderung gesammelt und geteilt, die das Leben leichter machen. Die Plattform nutzt die Lösungsstrategien vieler Menschen, die den Mangel an Barrierefreiheit kennen, dem Bürokratiewahnsinn begegnet sind, Schwierigkeiten bei der Bewilligung von Hilfsmitteln haben oder für ihr individuelles Problem keine Unterstützungsmöglichkeit fanden. Diese Alltagshacks werden gesammelt und - nach Kategorien sortiert – auf der Website, auf Social Media und als anschauliche Videos auf Youtube veröffentlicht.

Mitmachen – damit Alle gewinnen!

Die Community der Alltagspioniere wächst schnell und alle Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderung sind aufgerufen, Ideengebende in eigener Sache zu werden. Das funktioniert ganz einfach per Mail an hallo@alltagspioniere.de.

  • Alle Infos zum Club der Alltagspioniere gibt es HIER.
  • Interessiert an den Alltagshacks der Alltagspioniere? Videos gibt’s auf Youtube HIER.

2023-02-22
Karriere in der Medizin: Wie finde ich das Perfect Match ?

Seinen eigenen Weg finden und nach Studium und Ausbildung in die richtige Richtung losgehen – das ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels in der Medizin ein aktuelles Thema. Aber auch in späteren Phasen des Berufslebens lohnt eine Standortbestimmung. Bin ich noch zufrieden in meinem Beruf? Brauche ich eine Neuorientierung? Und wie kann ich diese erreichen? Diesen und weiteren Themen widmet sich der Leitfaden „Karriere in der Medizin – Wie finde ich mein Perfect Match?“, herausgegeben von Julia Schäfer.

Es muss nicht immer der Arztkittel sein

Mit der Approbation in der Tasche haben Medizinerinnen und Mediziner ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten – und das nicht nur im Arztkittel. Eine Musterkarriere gibt es nicht, jeder und jede muss den Weg finden, der der individuell richtige ist. Hier setzt „Karriere in der Medizin“ an. Das Buch ist ein Kompass für die persönliche Standortbestimmung und den Weg durch das Berufsleben. Es erweitert den Horizont und beschreibt die vielfältigen Berufsbilder in der Klinik, der Wissenschaft, Beratung, Krankenversicherung sowie in der Medizintechnik und Industrie.

Prominente Medizinerinnen und Mediziner erzählen

Um einen noch besseren Einblick in verschiedene Berufsfelder zu erhalten, berichten prominente Köpfe der Medizin in Interviews, wie ihr Weg in der Medizin war, welche Herausforderungen sie zu meistern hatten und welche Tipps sie geben. Ausführlich wird das breite Spektrum der Möglichkeiten in der kurativen Medizin aufgezeigt – mit Erfahrungsberichten aus den unterschiedlichsten Bereichen.

2023-01-23
Buchtipp: Teilhabeorientierte Lebensbegleitung

Alle Menschen haben eigene Wünsche, diese Bedürfnisse sind ein subjektives Verlangen und Grundlage menschlichen Handelns. Das gesamte Spektrum der Bedürfnisse Erwachsener mit komplexer Behinderung bildet den Mittelpunkt des Buches „Wünschen – Gestalten – Leben“ herausgegeben von Barbara Fornfeld. Für Interessierte, Fachkräfte und Studierende und Lebensbegleiter von Erwachsenen mit komplexen Behinderungen bietet dieses Buch das notwendige Wissen, um das diese Bedürfnisse zu erkennen, zu verstehen und im professionellen Handeln Teilhabe zu ermöglichen. Mit der Teilhabewerkstatt wird ein Modell interdisziplinärer und institutionsübergreifender Kooperation vorgestellt.

Das Buch erscheint im Verlag selbstbestimmtes Leben, kostet je nach BVKM-Mitgliedsstatus 12,99 Euro beziehungsweise 18,90 Uhr. ISBN: 9783945771266, gebundene Ausgabe.

2023-01-23
Neurorehabilitation: Wenn wissenschaftliches Vorgehen auf alte Denkweisen und hartnäckige Irrtümer trifft

In der Neurorehabilitation zielen Behandlungen darauf ab, Patienten mit neurologischen Erkrankungen im Bereich der körperlichen Aktivitäten für ein möglichst selbständiges Leben zu befähigen. Nach der Diagnose, welche Funktions- und Teilhabeeinschränkungen bei einem Betroffenen überhaupt vorliegen, kann im Anschluss mit den Rehabilitanden besprochen werden, welche individuellen Ziele sie mit der Rehamaßnahme verfolgen. Hier ist das Ziel, das gesamte interdisziplinäre Team von Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Sozialarbeit, Medizin sowie Orthopädietechnik und Pflege zu koordinieren. Ein auf die Patienten abgestimmtes Training wird bei Bedarf von Reha- und Orthopädietechnik unterstützt und nutzt drei Ansätze:

1. Über viele Wiederholungen einfacher Tätigkeiten lernt das Gehirn neue Strukturen zu entwickeln und geschädigte Strukturen zu ersetzen.

2. Die kontinuierliche Anpassung des Schwierigkeitsgrades an die Belastungsgrenzen des Patienten erzielen den Trainingseffekt.

3. Lebensnahe und abwechslungsreiche Trainingseinheiten, die nah am Alltag des Patienten sind, vermitteln die Sinnhaftigkeit und motivieren.

Die Neurorehabilitation ist im Wandel, stützt sich auf wissenschaftlich erarbeitete Leitlinien und kämpft auch in der Ausbildung gegen alte Zöpfe und Irrtümer.

Zu sehen sind Hans und Sabine Lamprecht.
Hans und Sabine Lamprecht. (Bilder: HSH Lamprecht)

Vom Heiler zum Unterstützer – wissenschaftliche Methodik löst alte Denkweisen ab

Sabine Lamprecht ist Physiotherapeutin mit Master in Neurorehabiliation, Fachbuchautorin und Dozentin. Seit vielen Jahren leitet sie zusammen mit ihrem Mann eine interdisziplinäre Therapiepraxis und erklärt uns den Wandel:

"Das Berufsbild und Selbstverständnis hat sich in den 40 Jahren meiner therapeutischen Tätigkeit enorm gewandelt: In der Neurorehabilitation ist die Wiederherstellung verlorener Fähigkeiten das Ziel, aber nicht wir machen das für unsere Patienten, wir leiten sie an, es selbst zu tun. Wir sind keine Heilenden mehr, sondern unterstützen die Menschen auf ihrem Weg zur Selbstbefähigung."

Ein Mann läuft auf einem Laufband und lächelt dabei. Neben ihm steht eine Therapeutin und schaut ihn an.
Das Gangtraining gehört zur Therapie dazu.

Sabine Lamprecht blickt zurück: "Neurorehabilitation ist überwiegend therapeutisch und zu Beginn meiner Tätigkeit basierte unser Tun auf empirischem Wissen und Annahmen. Durch Beobachtungen in der Behandlung wurden zum Teil Schlüsse gezogen, die sich aus heutiger Sicht und mit wissenschaftlichen Methoden nicht belegen lassen."

Auch als Dozentin stößt sie auf alte Glaubensgrundsätze, die sich trotz der neuen Erkenntnisse in der therapeutischen Ausbildung halten. "Unser Ziel muss sein, evidenzbasiert, wissenschaftlich fundiert und Leitlinien-orientiert zu arbeiten. Diesen roten Faden brauchen wir bei allen Berufsgruppen, mit denen wir interdisziplinär zusammenarbeiten, und in deren Ausbildungs- und Studiengängen."

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Praxis von Hans und Sabine Lamprecht stehen nebeneinander für ein Gruppenfoto.
Das Team der Praxis Lamprecht.

Sabine Lamprecht ist überzeugt: "Stete Aufklärung ist unverzichtbar, Annahmen sind von Fakten deutlich zu trennen. Gerade in Deutschland gibt es einige beharrende Strukturen, die einen überfälligen Wandel in der Ausbildung und der Ausübung des Therapeutenberufs behindern."

Beim CON.THERA-Kongress 2023 in Karlsruhe stellt Sabine Lamprecht die zehn größten Irrtümer der Neurorehabilitation wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen gegenüber.

2023-01-23
Winterzeit ist Schneesportzeit: Tipps und Angebote des Deutschen Behindertensportverbandes

Mit einem schlichten "Ich bin raus" verabschiedete sich der Weltcup-Alpinski-Rennläufer Benedikt Staubitzer im Jahr 2019 aus dem Profisport. Seine Leidenschaft für Schnee und Ski hat er jedoch nicht aufgegeben und inspiriert nun als Projektkoordinator Schneesport beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) Jung und Alt für Wintersport.

"Begeisterung für Schneesport verlässt einen nie"

„Winterurlaub ist ein großes Thema für Rollifahrende, und zwar nicht nur aus Süddeutschland", sagt Staubitzer. Familien mit Kindern mit Behinderungen, junge Menschen, aber auch ältere und erfahrene Rollinutzende, die durch eine unfall- oder krankheitsbedingte Querschnittlähmung nicht mehr dem klassischen alpinen Skisport frönen können, kommen immer wieder in den Schnee zurück. „Die Begeisterung für den Schneesport verlässt einen nie“, ist sich Staubitzer sicher. Egal ob auf sportlichen Monoski, auf etwas "stabileren" Bi-Skiern oder nordische Sportarten wie Langlauf oder Biathlon, der DBS und seine Landes- und Fachverbände bieten Wintersportangebote auf allen Leistungsebenen an.

Sieben Menschen sind auf Skiern. Vier davon sitzen auf Skigeräten für Menschen mit Handicap, drei Menschen stehen auf Skiern. Sechs Menschen blicken zu einem Mann, der ebenfalls auf Skiern sitzt. Er erläutert gerade, wie man mit den Skiern umgehen muss.
Monoskier oder Bi-Ski-Geräte bieten Menschen mit Handicap die Möglichkeit, am Wintersport teilzunehmen. (Bild: privat)

„Sport ist für jeden von uns wichtig zum Gesundbleiben, egal ob man zu Fuß geht, sehbehindert oder Rollinutzender ist oder ob man Gliedmaßen durch Amputationen verloren hat, es gibt Sportmöglichkeiten für fast jeden Menschen und wir unterstützen dabei", so Staubitzer weiter.

Lina Neumair vom DBS setzt nicht nur auf Informationen durch DBS-Landesverbände, vor allem in den sozialen Medien und durch Mund-zu-Mund-Propaganda finden sich immer neue Sportgruppen zusammen. Die wichtigste Botschaft dabei: man ist nicht allein! Es wird sich ausgetauscht und über umgebaute Sportgeräte gefachsimpelt.

Das Angebot reicht von Talenttagen über Schneesportwochenenden bis hin zu Online-Kursen, die Vereine, die eine inklusive Abteilung gründen wollen, kostenfrei buchen können. Das junge und engagierte Team des DBS setzt sich für einen "Sport für alle" ein.

Auf einer Skipiste fahren viele Menschen den Hang hinab. Im Vordergrund ist eine Person auf einem Monoski.
Der Monoski ist die wohl bekannteste Form eines Skiers für Menschen mit Handicap. (Bild: privat)

Da die Monoski- oder die Bi-Ski-Geräte von spezialisierten Herstellern in der Anschaffung teuer sind, bieten inzwischen schon einzelne Skischulen in Deutschland und Österreich solche Umbauten zum Ausprobieren an. Eine weitere Möglichkeit für Rollstuhlfahrende Skifahren auszuprobieren bieten die Schneesportwochenenden der Landesverbände des DBS. Das nächste findet Ende Januar in Kirchzarten und im Februar 2023 im Sauerland statt.

Der große Hilfsmittelhersteller und REHAB-Aussteller ottobock ist einer der Hauptsponsoren für den Behindertensportverband, gemeinsam mit anderen Hilfsmittelspezialisten versteht man sich als "Möglichmacher" des inklusiven Sportgedankens.

Eine Frau steht auf zwei Skiern. Sie schiebt ein Kind an. Dieses sitzt, unter ihm sind Skier.
Auch für Menschen mit Handicap gibt es Möglichkeiten, Wintersport zu betreiben. (Bild: picture alliance/DBS)

Auf der 22. REHAB, vom 15. bis 17. Juni 2023, können sich Besuchende beim Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) zum Thema Biathlon informieren und sich selbst auch an der aufgebauten Schießanlage versuchen. Weitere Sportverbände engagieren sich, demonstrieren Sportarten und laden zum Mitmachen auf der Inklusiven Sportstätte der Fachmesse in Karlsruhe ein.

Erfolgreiche Genbehandlung

Befragt, was ihn antreibt, sich nach der Profikarriere für Handicap-Sport einzusetzen, erzählt Benedikt Staubitzer die Geschichte eines skibegeisterten Elternpaares, das er kennen gelernt hatte. Deren fünfjähriger Sohn hatte die Diagnose SMA, eine lebensverkürzende fortschreitende Erkrankung Spinale Muskelatrophie. Die Eltern sahen sich traurig „nie mehr im Schnee und in den Bergen“, vor allem nicht als Familie. Durch eine ganz neue pharmazeutische Genbehandlung konnte die SMA nicht nur in ihren körperlichen Auswirkungen gestoppt werden, vielmehr erholte sich der Junge so gut, dass er nun mit den Eltern gemeinsam Ski fährt.

„Das breite, glückliche Grinsen von Vater und Sohn bei der ersten gemeinsamen Abfahrt mit einem Bi-Ski werde ich nie vergessen", strahlt der oberbayerische Alpinskirennläufer und fährt fort: „Diese Koordinationsstelle ‚Schneesport‘ beim DBS kam wie gerufen, nach meinem Karriereende. Ich kann meine Leidenschaft und Begeisterung für den Schneesport in einem Super-Umfeld weitergeben. Der Blick auf Teilhabe und damit ein ganz anderes sportliches Miteinander hat mir neue Perspektiven eröffnet."

  • Weitere Informationen zur REHAB 2023 gibt es HIER.
  • Umfachreiche Grundlagen-Informationen zu allen Sportarten für Menschen mit diversen Einschränkungen bei Parasport.
  • Ein kostenfreies Handbuch mit Tipps zu allen Sportarten finden Sie HIER.
  • Am 12. Februar findet im Sauerland ein Schneesportwochenende zum Ausprobieren statt.

2023-01-23
Früher Einsatz eines E-Rollis: vom „Laufenlernen“ bis zum Kaffee mit Arbeitskollegen auf Augenhöhe – E-Mobilität hat keine Altersgrenzen
Ein etwa einjähriges Kind sitzt in einem gelben Minirollstuhl. Das Kind sitzt auf einer Sitzfläche und lehnt mit dem Rücken an. Die Hände hat es auf einem kleinen Tisch, an diesem ist ein Joystick angebracht, der zum Lenken gedacht ist. Die Füße stehen auf einer Plattform. An dieser sind Rollen angebracht.
Der Explorer Mini von Permobil hilft bereits den kleinsten Kindern, selbstständig zu sein. (Bild: permobil GmbH)

Beim Erlernen motorischer Fähigkeiten ist das freie Sitzen ein wichtiger Schritt in der körperlichen Entwicklung – neuromuskuläre Stütz- und Haltemechanismen verknüpfen sich mit der Eigenwahrnehmung und dem Freiwerden der Arme und Hände. Eigenständige Aktionen wie Nutzung von Spielgerät, Nahrungsaufnahme und Interaktion mit anderen werden möglich. Spätestens hier trägt die Unterstützung mit einem Hilfsmittel entscheidend zum Empfinden von „Wirksam-Werden“ bei.

Aufrichten wichtig für Entwicklung

Die Entdeckung der Umwelt wird möglich, das Kind erreicht Gegenstände und Möbel, um sich daran hochzuziehen. In der Vertikalen vollzieht es den nächsten großen Entwicklungsschritt. Mit dem Aufrichten können sich die inneren Organe, Knochen, Bänder, Sehnen und Muskeln, Atmung, Verdauung und Blutkreislauf vollständig entwickeln.

Ein Meilenstein für die motorische und kognitive Entwicklung und in die Unabhängigkeit ist das Gehen. Kinder mit Behinderungen brauchen analog dazu sofort einen passgenauen Kinderrollstuhl: Das sind nicht lediglich verkleinerte Erwachsenenrollstühle, sie wachsen mit und haben viele zusätzliche Funktionen.

Rollstühle individuell anpassen

Willy Hagelstein, selbst Rollinutzender und Mobilitätsbotschafter beim Kinderspezialisten Sorg Rollstuhltechnik, ist überzeugt: „Die leichten Kinderrollstühle lassen sich total individuell und genau auf die Proportionen und die Bedürfnisse der Kinder anpassen; so können, nein, müssen heute mobilitätseingeschränkte Kinder schon ab 18 Monaten mit einem Rollstuhl versorgt werden. Dies ist umso bedeutungsvoller, da zu diesem Zeitpunkt nicht mobilitätseingeschränkte Kinder das Laufen lernen und somit durch eine Rollstuhlversorgung Entwicklungsdefizite bei den Rollikindern vermieden werden können."

Besonders leichte Rollstühle, wie der Mio Carbon von SORG Rollstuhltechnik, sind durch das hochfeste Aluminium echte Leichtgewichte und kommen vor allem den Kindern zu Gute, die schon zu Beginn über nur wenig Kraft verfügen, aber ihren Rollstuhl trotzdem selbst antreiben möchten.

Ein etwa zweijähriges Kind sitzt in einem orangfarbenen Rollstuhl. Das Kind hat dünnes blondes Haar. Es hat beide Hände an den Griffen der Rollstuhlräder.
Die Kinderrollstühle von Sorg Rollstuhltechnik lassen sich individuell an jedes Kind anpassen. Ab dem 18. Monat können die Kinder mit den Rollstühlen versorgt werden. (Bild: Sorg Rollstuhltechnik)

All diese Entwicklungsschritte werden von Erwachsenen begleitet und finden optimalerweise in einer sicheren Umgebung statt. Fehlversuche beim Erlernen dieser neuen Fähigkeiten sind normal und viele Wiederholungen sind für die kognitive Entwicklung und aus neurowissenschaftlicher Sicht enorm wichtig.

Aber auch für stärker eingeschränkte Kinder mit zu wenig Kraft für manuelle Rollstühle gibt es inzwischen verschiedene Mini-E-Rolli-Modelle. Manche sehen bunt und verspielt aus wie eine einfache Kinder-Lauflernhilfe und haben erst auf den zweiten Blick erst einen kleinen Joystick. Andere – für etwas größere Kinder – sind schwerer und stabiler.

Die Vorteile einer frühen Versorgung mit einem E-Rollstuhl für die Entwicklung eines Kindes überwiegen oft angebrachte Argumente von Kostenträgern wie Verletzungsgefahr oder Gefährdung im Straßenverkehr. Eltern sind für die Sicherheit ihrer Kinder verantwortlich, ob mit oder ohne Handicap. Der Umgang muss in einem geschützten Umfeld geübt werden.

E-Rollstühle können so konfiguriert werden, dass deren Gebrauch den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes entspricht, Sondersteuerungen ermöglichen eine sichere Fahrweise, feinste Einstellungen der Sitzpositionen bis hin zum Stehen sind möglich. Bei den Kleinen gibt es eine Vorrangschaltung bis hin zur Non-Stopp-Bedienung für erwachsene Begleitpersonen.

Und das ermöglicht von Anfang an ein "aktives" Dabeisein, aktives Spielen mit den anderen Kindern in der Kita, einen Schulbesuch und einen Austausch mit Klassenkameraden und Geschwistern auf Augenhöhe.

Ein etwa einjähriges Mädchen sitzt in einem gelben Kinderrollstuhl. Die Hände des Mädchens liegen auf einem mit dem Rollstuhl verbundenen Tisch ab, dabei fasst das Mädchen einen Joystick an, der am Tisch angebracht ist. Das Mädchen lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind eine erwachsene Frau und ein erwachsener Mann sowie ein hellbrauner Hund zu sehen. Die Erwachsenen streicheln den Hund und sind unscharf im Hintergrund zu sehen.
Das Unternehmen Permobil ersetzt mit dem Explorer Mini Lauflernhilfen bei sehr jungen "Fußgängern" und ermöglicht es stark eingeschränkten Kindern, die Welt selbstständig zu erfahren. (Bild: permobil GmbH)

Frühe (E-)Mobilität kann bei mehreren spezialisierten Ausstellern auf der REHAB 2023 ausprobiert werden: Unter anderem beraten Therapeuten bei MEYRA Eltern bei allen Fragen rund um frühe Mobilität. Das Unternehmen Permobil ersetzt mit dem Explorer Mini Lauflernhilfen bei sehr jungen Fußgängern und ermöglicht es stark eingeschränkten Kindern, die Welt selbstständig zu erfahren.

Symbiose aus Aktivität und Funktionalität

„Spätestens wenn eine Studentin ihr Examen mit ihren Kommilitoninnen am Stehtisch mit einem Prosecco feiert, hat sich die Aufstehhilfe am Rolli rentiert", äußert sich Ulrich Maschkow von Vassili. Er ist stolz darauf, dass der neue HiLo MPRO Rollstuhl des italienischen Labels eine perfekte Symbiose aus Aktivität und Funktionalität darstellt. „Wir haben in drei Entwicklungsjahren einen extrem leichten Aktivrolli mit einer elektrischen Aufstehhilfe kombiniert, die mit einer Hand bedient werden kann, da ist die zweite Hand frei für einen Kaffee mit den Arbeitskollegen. Von den psychologischen Vorteilen und der Stoffwechselanregung durch Stehen wollen wir gar nicht sprechen, das ist selbstverständlich."

Weitere Informationen zu den ausstellenden Unternehmen auf der REHAB finden sich hier: www.rehab-karlsruhe.com/ausstellerliste

2022-12-07
FOCUS CP rehaKIND- Kongress im Februar in Dortmund
Zuschauer sitzen im Publikum und blicken auf die Bühne. Dort sitzen vier Referenten an einem langen Tisch. Über ihnen befindet sich eine Leinwand.
Das Gesprächsformat begeistert Betroffene und Fachleute gleichermaßen und füllt große Säale. (Bilder: rehaKIND e.V.)

„Wenn es Kindern mit Behinderung und chronischen Erkrankungen nicht gut geht, müssen alle Beteiligten gemeinsam nach einer Lösung suchen.“ Mit diesem Leitgedanken hat das Netzwerk rehaKIND e.V. gemeinsam mit drei ärztlichen Fachgesellschaften ein besonderes Kongressformat erfolgreich entwickelt: Das Ziel sind der Austausch und Wissenstransfer von Experten aus Medizin, Therapie und Technik mit den Betroffenen und deren Familien auf Augenhöhe. Allen Beteiligten soll dabei der „Blick über den Tellerrand“ ermöglicht werden.

Ein Mann sitzt auf einem Barhocker, der an einem Tisch steht. Er bedient mit einem Joystick einen Roboterarm. Dabei lächelt er und fixiert die Bewegung des Armes mit seinen Augen.
Beim Kongress gibt es eine begleitende Fachausstellung mit Hilfsmitteln zum Ausprobieren.

Das mehrzügige Kongressprogramm bietet neben vielen Vorträgen und Plenarsitzungen auch praxisbezogene Workshops und Skills-Sessions für alle Teilnehmenden. Dabei liegt der Fokus immer auf der hohen wissenschaftlichen Fachlichkeit, gepaart mit einem starken Praxis- und Anwenderbezug. In der kostenfreien Ausstellung können Interessierte außerdem allerlei Hilfsmittel zum Ausprobieren für jedermann finden.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Buchung gibt es unter www.focuscprehakind.de.

2022-12-07
„Ernst nehmen, nach Ursachen forschen und aufklären“ - Die aktuelle Strategie bei Fatigue und Long COVID

Für die Betroffenen selbst ist das Leben mit Long Covid oder Fatigue sehr belastend. Auch gesamtgesellschaftlich ist das Syndrom aufgrund langer Krankschreibungen von großer Bedeutung. Prof. Dr. Christian Dettmers ist der Leiter der Multiple-Sklerose-Abteilung der Kliniken Schmieder in Konstanz und ausgewiesener Spezialist für Long COVID. In diversen Studien mit betroffenen Patientinnen und Patienten hat er an den auf Long COVID spezialisierten Kliniken Schmieder zu Fatigue geforscht und kennt den aktuellsten medizinischen Stand. Auf der REHAB 2023 wird er im Rahmen des dort stattfindenden CON.THERA-Kongresses sprechen.

Prof. Dr. Christian Dettmers schaut in die Kamera. Er trägt ein blau-weiß gestreiftes Hemd und eine olivgrüne Fliege, darüber einen weißen Arztkittel.
Prof. Dr. Christian Dettmers ist Experte für Long Covid und Fatigue. Im neurologischen Fach- und Rehabilitationskrankenhaus der Kliniken Schmieder in Konstanz leitet er die Abteilung für Multiple Sklerose. Er weiß: Das Problem betrifft viele Menschen. Auf der REHAB 2023 wird er im Rahmen des CON.THERA-Therapeutenkongresses zum THema referieren. (Bilder: Kliniken Schmieder)

„Fatigue ist ein für die Patientinnen und Patienten ernst zu nehmendes Problem. Die Müdigkeit und Erschöpfung sowie die extrem langsame Genesung ist für die Betroffenen sehr belastend. Aus ärztlicher Sicht gilt es immer im ersten Schritt abzuklären und einzuordnen, ob sich organische Ursachen nachweisen lassen, ob kognitive Beeinträchtigungen zu verzeichnen sind und ob psychosoziale Komponenten das Syndrom verstärken“.

Während Fatigue eine subjektiv empfundene Müdigkeit ist, kann man die Fatigabilty als organische Ursache für Leistungsminderung mit Ermüdbarkeit nachweisen. Bei diesem Symptomenkomplex können etwa rheumatische Erkrankungen oder Krebs nachweisbare Auslöser sein.

Psychisch oder organisch?

Neu hinzugekommen sind nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 Langzeitfolgen beziehungsweise das Long-COVID- oder Post-COVID-Syndrom. Über mögliche Ursachen dieses Syndroms wird noch geforscht. Auffällig ist der von den Betroffenen empfundene, aber schwer messbare und beweisbare Leistungsabfall und die belastende Müdigkeit, die in einem nicht mehr bewältigbaren Alltag und in zum Teil langen Krankschreibungen mündet. Neueste Studien geben Hinweise darauf, dass - durch COVID begründet - entzündliche und betroffene Hirnareale für kognitive Beeinträchtigungen verantwortlich sein können. Es kann daher ein Zusammenhang zwischen organischen Ursachen und zusätzlichen psychischen oder psychiatrischen Begleiterscheinungen bestehen.

Ein Mann läift auf einem Laufband und absolviert ein Training. Er trägt eine Maske, mit Hilfe derer sein Lungenvermögen getestet wird. Der Mann trägt ein blauen Shirt und eine dunkelblaue Hose. Daneben steht ein Therapeut und beobachtet den Mann.
Ein Patient absolviert ein Laufbandtraining. Dieses wird dazu genutzt, um das Lungenvermögen zu testen.

„In jedem Fall sind die Symptome von Fatigue ernst zu nehmen, auch wenn wir bei dieser Patientengruppe keine organischen Ursachen feststellen können“, betont Prof. Dr. Dettmers. Hier zeige sich eine Erschöpfung, die nach überstandener Infektion – und auch durch die mediale Berichterstattung ausgelöst - viele psychosoziale Ursachen haben könne. Prof. Dr. Dettmers: „Wenn - wie bei MS - organische Ursachen zugrunde liegen, ist es im Gespräch mit den Betroffenen einfach, über die kognitiven und psychischen Symptome zu sprechen und gemeinsam einen Therapieansatz zu finden. Bei fehlender organischer Ursache und Long-COVID-Patienten wird es deutlich schwieriger, die Betroffenen von einem zwingenden Zusammenhang ihrer empfundenen Leistungseinschränkung mit der überstandenen Infektion abzulenken und auf andere Belastungsmöglichkeiten hinzuweisen, um dann gemeinsam eine gelingende Bewältigungsstrategie für empfundene Krisen und die damit verbundene Müdigkeit zu entwickeln.“

Mit der Unterscheidung zwischen Fatigue und Fatigability gelingt es bei einer ganzheitlichen sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung, die subjektiven Aspekte mit den objektiven Befunden zu berücksichtigen. „Im Rahmen der MS ist bei Fatigue der deutliche Hinweis an die Betroffenen wichtig, dass die vorzeitige Erschöpfbarkeit keine neurologischen Schäden verursacht. Durch Aufklärung wird verhindert, dass Patientinnen und Patienten Vermeidungsstrategien entwickeln und einer erwarteten Erschöpfung durch Schonung vorbeugen“, sagt Prof. Dr. Dettmers.

Zusammenspiel aller Akteurinnen und Akteure

Er fährt fort: „Schonung hat in vielen Fällen negative Auswirkungen auf den Genesungsprozess. Hier gilt es, alle beteiligten Disziplinen - von Hausärztinnen und Hausärzten, über Psychologinnen und Psychologen bis hin zu den Therapeutinnen und Therapeuten - für dieses Syndrom zu sensibilisieren, eine standardisierte Diagnostik und im Anschluss einen sehr individuellen Therapieansatz zu entwickeln und das unter Einbezug des psychosozialen Hintergrunds des Patienten.“

Fatigue und Long COVID stellen aktuell ein Gesundheitssystem mit knappen Ressourcen auf die Probe: „Es muss uns gelingen, Long COVID-Patienten von deren überwiegend vollständigen Genesung zu überzeugen, um zu verhindern, dass diese Patientengruppe dauerhaft beeinträchtigt bleibt beziehungsweis die Arbeitsfähigkeit verliert.“ Dies gelingt bereits in den wenigen spezialisierten Post-COVID – Ambulanzen. Deren Erfahrung und Wissen gilt es in die Breite zu streuen, um diesem Massenphänomen bei knapper Ressource wirksam begegnen zu können.

Weiße Stofftaschen mit dem Aufdruck
Prof. Dr. Christian Dettmers wird im Rahmen des CON.THERA-Therapeutenkongresses über Long Covid und das Fatigue-Syndrom sprechen. (Messe Karlsruhe/ Behrendt und Rausch)

Genau das passiert im Rahmen des interdisziplinären Therapeutenkongresses CON.THERA am 16. Juni 2023. Das vollständige Kongress-Programm ist ab Januar verfügbar. Infos zum vergangenen Kongress und bald zum künftigen erhalten Sie HIER.

2022-12-06
Buchtipp:
Natalie Dedreux sitzt auf einer Holzbank und schaut in die Kamera. Sie trägt eine schwarze Lederjacke und eine grüne Hose in Leopard-Muster.
Natalie Dedreux: Aktivistin, Bloggerin und Schriftstellerin.

Die 23-jährige Kölnerin Natalie Dedreux ist Bloggerin und Aktivistin. Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie erstmals durch ihren Auftritt in der Wahlarena zur Bundestagswahl im September 2017, als sie Angela Merkel zur Spätabtreibung behinderter Kinder befragte. Ihre Frage lautete: „Neun von zehn Babys mit Downsyndrom werden in Deutschland nicht geboren, sie werden abgetrieben. Wie stehen Sie zum Thema Spätabbruch?“

Die Vorderseite des Buches von Natalie Dedreux. Der Titel
"Mein Leben ist doch cool" heißt das Buch von Natalie Dedreux.

In ihrem Buch „Mein Leben ist doch cool“ hat Dedreux in 100 kurzen Essays ihre Gedanken und Ansichten und ihre politischen Vorstellungen aufgeschrieben. Das Themenspektrum ist breit gefächert und reicht von Afghanistan über Judentum bis hin zu veganer Ernährung. Klar und auf den Punkt beschreibt die junge „Inkluenzerin“ mit Down-Syndrom die drängenden Fragen unserer Zeit und macht Mut, sie aus einer neuen und anderen Perspektive zu betrachten.

Dedreux veröffentlicht ein Buch gegen Vorurteile und mit einem engagierten Appell für die Teilhabe aller Menschen an unserer Welt ohne Berührungsängste. „Die Menschen sollen mein Buch deswegen lesen, weil ich es wichtig finde, was ich hier zu sagen habe. Dann sieht man, dass ein Leben mit Down Syndrom auch cool ist“, sagt die Autorin.

Droemer Knaur, geb. Ausgabe Oktober 2022, 16,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

2022-12-06
Fitness-App für Querschnittgelähmte geht in die Testphase

Zwei Jahre forschten Mitarbeitende der Sporthochschule Köln an der ParaGym-App. Auch auf der 21. Rehab, die vom 23. bis 25. Juni 2022 stattfand, konnten sich Besuchende über die Fitness-App für Querschnittgelähmte informieren.

Nun stehen die Macherinnen und Macher vor dem nächsten Schritt des Projekts. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll die Funktionalität, Anwenderfreundlichkeit und Sicherheit der App getestet werden.

Eine Frau sitz in einem Sportrollstuhl und spielt Tennis. Sie holt gerade zu einem Schlag aus und blickt konzentriert auf den Ball. Im Hintergrund ist das Publikum zu sehen, das ihr zuschaut.
Im Appstore von Apple und im Playstore von Google gibt es jede Menge Fitness-Apps. An einer speziellen Fitness-App für Querschnittgelähmte arbeitet die Sporthochschule Köln. Nun steht die Tesphase an. (Bild: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner)

Dazu werden Testpersonen gesucht. Teilnehmen können Menschen zwischen 18 und 67 Jahren, die seit mindestens einem Jahr an einer chronischen Paraplegie leiden. Während der sechswöchigen Testphase trainieren die Anwendenden dreimal pro Woche für etwa eine halbe Stunde mit der ersten Testversion der ParaGym-App. Jeweils vor und nach dem Trainingszeitraum finden Testungen vor Ort an der Deutschen Sporthochschule in Köln statt.

Die Studie beginnt Anfang Januar 2023 und wird von Janika Bolz und Institutsleiter Univ.-Prof. Hans-Georg Predel koordiniert. Wer Interesse hat, kann sich bis Ende Dezember bewerben. Weitere Infos zur Studie, wie Möglichkeiten zur Bewerbung, gibt es per E-Mail an j.bolz@dshs-koeln.de.

2022-12-05
BARMER nimmt Revision zurück: Künftig erleichterte Versorgung mit Rewalk Exoskeletten für Querschnittgelähmte

In den Karlsruher Messehallen findet vom 15. bis 17. Juni 2023 die REHAB - Messe für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion statt. Mit dabei sein wird auch Rewalk Robotics. Das Unternehmen stellt Exoskelette her - und wird künftig noch wichtiger für Menschen mit Querschnittlähmung werden.

Der Grund ist die Rücknahme der Revision durch die Barmer-Versicherung gegen das zweitinstanzliche Urteil des Landessozialgerichts NRW. Ein 32 Jahre alter Mann, der bei der Barmer versichert ist und dort die Versorgung mit einem Rewalk Personal 6.0 Exoskelett beantragt hatte, stand im Mittelpunkt des Rechtsstreits.

Ein Patient trägt ein Exosklelett und steht. Neben ihm kniet ein MItarbeiter der Firma Rewalk und berät ihn. Weitere Menschen stehen um die beiden herum.
Endlich konnten neueste Produkte und Weiterentwicklungen wieder im direkten Austausch mit Herstellern kennengelernt und getestet werden - so wie das Rewalk Exoskelett. (Foto: Messe Karlsruhe / Behrendt und Rausch)

Durch die Rücknahme der Revision kurz vor dem Termin beim Bundessozialgericht ist das Urteil des Landessozialgerichts NRW rechtskräftig. Die Folge: Querschnittgelähmte in Deutschland können künftig eine erleichterte Versorgung mit einem Rewalk Exoskelett erwarten.

Ein Exoskelett kann Querschnittgelähmten das aufrechte Stehen, Gehen und sogar das Treppensteigen ermöglichen. In seiner Urteilsbegründung wies das Landessozialgericht NRW darauf hin, dass Versicherungen Anträge für orthopädische Hilfsmittel wie das Rewalk Exoskelett nicht mit dem Hinweis ablehnen dürfen, dass Versicherte bereits eine Versorgung mit Hilfsmitteln erhalten haben, die ebenso dem mittelbaren Behinderungsausgleich dienen.

„Das deutsche Gesundheitswesen ist Vorreiter in der Einrichtung der hohen Standards für die Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung“, sagt Larry Jasinsky, Vorstandsvorsitzender von Rewalk Robotics. „Nach der Leistung des Exoskeletts als anerkanntes Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis im Jahr 2018 ist nun die Anerkennung, dass Exoskelette dem unmittelbaren Behinderungsausgleich dienen, nur Konsequenz. Wir als Leistungserbringer schätzen es sehr, dass die Krankenkassen uns mit der Versorgung ihrer Versicherten beauftragen. Rewalk Robotics wird weiterhin die höchsten Qualitätsstandards in der Versorgung mit Rewalk Exoskeletten erfüllen.“

Mehrere Rehab-Fahnen wehen im Wind.
Von 15. bis 17. Juni findet die nächste REHAB in den Karlsruher Messehalle statt. (Foto: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner)

Kläger Lars Vinken kann nach vielen Jahres des Wartens und des Rechtsstreits nun endlich sein Rewalk Exoskelett nutzen: „Dass andere Querschnittsgelähmte nun einen leichteren Zugang zu dieser Technologie haben werden, hat einen enormen Wert. Mit einem Exoskelett versorgt zu werden und jederzeit wieder aufstehen und gehen zu können, eröffnet mir neue Horizonte“, sagt er.

Das Rewalk Personal 6.0 wurde am 11. Juni 2018 als erstes Exoskelett für Rückenmarksverletzte vom GKV-Spitzenverband im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. Bedeutet: Das System ist in Deutschland offiziell als Hilfsmittel gemäß Paragraph 33 SGB V mit der Hilfsmittelnummer 23.29.01.2001 anerkannt und erstattungsfähig. Die zugehörige Indikation lautet: beidseitige Lähmung der Hüft-, Oberschenkel- und Unterschenkelmuskulatur.

2022-10-24
Lesetipp: Wie steht es um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebenslagen?

Die Ergebnisse der „Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (2017-2021)“ liegen nun vor: Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurde die wichtige Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in zentralen Lebensbereichen untersucht. Grundlage für die Erhebung war eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von 22.000 Personen ab 16 Jahren mit und ohne Beeinträchtigungen, die in Privathaushalten, besonderen Wohnformen für Menschen mit Behinderungen oder Senioreneinrichtungen leben.

Anders als in anderen Studien kommen die Betroffenen selbst zu Wort. Dies führt zu konkreten Aussagen über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen und hilft sehr, verbleibende Inklusionshürden zu identifizieren.

Der Vergleich von Lebenssituationen wie „Leben im Privathaushalt, allein, mit Partnerin oder Partner, in stationären Wohneinrichtungen“ zeigt z.B. erwartbar deutlich, dass die Menschen bevorzugt selbstständig in ihrer eigenen Häuslichkeit verbleiben.

Die soziale Einbindung in Familie, Freundeskreis und Gruppen ist extrem wichtig für ein „zufriedenes Leben“ für Menschen mit Behinderung. Häufig wird jedoch Isolation und Einsamkeit genannt. In der ersten Pandemiephase war nicht nur die persönliche, sondern auch die digitale Erreichbarkeit in Einrichtungen stark eingeschränkt.

Dazu kommen Barrieren und Hürden in der Öffentlichkeit, bei Ämtern, Krankenkassen, finanzielle Probleme und Forderungen nach Eingliederung in den „ersten“ Arbeitsmarkt. Laut der Studie waren erwerbstätige Menschen mit Einschränkung durchweg positiver gestimmt als diejenigen, die in Werkstätten arbeiteten.

Der 225 Seiten umfassende Band bietet ein allumfassendes Resümee und ist durch den personenzentrierten Ansatz und die Anwendung der Internationalen Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) zukunftsweisend. Er enthält darüber hinaus auch Umsetzungsideen.

Kostenfreier Download der Studie

2022-10-24
Innovative Ausbildung aus Karlsruhe
Studierende starten am KIT mit neuem Studiengang Medizintechnik
Der Studiengang Medizintechnik am KIT setzt Schwerpunkte bei der Digitalisierung, Elektrotechnik und Informationstechnik. (Foto: Markus Breig, KIT)

Das für Innovationen bekannte Karlsruher Institut für Technologie (KIT) startete zum Wintersemester mit einem neuen Bachelorstudiengang Medizintechnik. „Durch die Schwerpunktsetzung bei der Digitalisierung, Elektrotechnik und Informationstechnik bereitet der forschungsorientierte und praxisbezogene Studiengang Medizintechnik am KIT optimal auf neue Technologietrends und Herausforderungen im Bereich der industriellen und klinischen Entwicklung von Medizinprodukten vor“, sagt Professor Werner Nahm vom Institut für Biomedizinische Technik des KIT.

Verknüpft wird dieses Know-how mit einem breiten Anwenderwissen aus Medizin und Medizintechnik sowie Kenntnissen über Regularien und Normen. „Mit dem Abschluss im Bachelorstudiengang Medizintechnik verfügen Studierende über die Kompetenz, medizinische Problemstellungen in ingenieurwissenschaftliche Aufgabestellungen zu übersetzen und verantwortungsvoll unter technischen, regulatorischen, ökonomischen und sozialen Randbedingungen Lösungen zu erarbeiten“, so Nahm.

In dem sechs Semester umfassenden zulassungsbeschränkten Studiengang sollen Studierende universelle Grundlagen erwerben, die in vielen Branchen attraktive Berufschancen eröffnen. Das Studium besitzt einen direkten Praxisbezug ab dem ersten Semester, Wahlmöglichkeiten zwischen Industrie-, Forschungs- und Klinikpraktika sowie Vor-Ort-Lehrveranstaltungen in Krankenhäusern und Universitätskliniken. Geplant ist außerdem im fünften Semester ein Mobilitätsfenster für internationalen Austausch an anderen Universitäten, etwa im Rahmen eines ERASMUS-Aufenthalts.

In der vergangenen Woche begrüßten die Lehrenden die ersten Studentinnen und Studentinnen des neuen Studiengangs. Für die zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieure beginnt die Vorlesungszeit ihres ersten Studiensemesters am kommenden Montag mit einer Vorlesung über Physiologie und Anatomie. Mit der Resonanz auf den neuen Studiengang ist Werner Nahm mehr als zufrieden: „Ankündigung und Ausschreibung des neuen Studiengangs sind auf Anhieb auf ein erfreulich großes Interesse gestoßen. Die Anzahl der Bewerbungen überstieg die verfügbare Kapazität bei weitem.“

2022-10-24
Begleitende Fachkongresse sichern multiprofessionellen Austausch im Kontext der Messe

Zusätzlich zum interdisziplinären Therapeutenkongress CON.THERA mit Schwerpunkt Neurorehabilitation werden zwei weitere Gastkongresse auf dem Messegelände parallel zur REHAB stattfinden. Alle drei Kongresse werden sich interprofessionell mit neurologischen Themen der Medizin, Therapie und Versorgung von Patientinnen und Patienten beschäftigen. Durch diese Bandbreite an Weiterbildungsmöglichkeiten auf der kommenden REHAB profitieren Teilnehmende, Besuchende und Ausstellende von vielfältigen Synergien.

Andrea Jagusch-Espei, Vorstandsmitglied Vereinigung der Bobath Therapeuten Deutschlands e.V.

So findet zum zweiten Mal die Jahrestagung der Vereinigung der Bobath Therapeuten Deutschlands e.V. im Rahmen der REHAB statt. Andrea Espei aus dem Vorstand der Berufs-Vereinigung: „Beim ersten Mal, begleitend zur REHAB 2019, war es ein Experiment − obwohl beide Veranstaltungen verwandte Themen (Menschen mit neurologischen Erkrankungen, neue Behandlungsmethoden, Empowerment der Betroffenen, den Austausch mit Experten etc.) haben, waren wir uns von der Seite der Bobath-Vereinigung nicht sicher, ob wir unsere familiäre Atmosphäre und die inhaltliche Dichte unserer vorangehenden Fortbildungstagungen erhalten können.

Nicht zuletzt durch den hervorragend angebundenen Konferenzbereich, der einen Wechsel zwischen Tagung und Messe leicht macht, waren diese Bedenken nach der Veranstaltung zerstreut: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bobath-Tagung profitierten von der Hilfsmittelausstellung, die Messebesucher von Fachvorträgen im Rahmen der Messe und die Aussteller von den Therapeutinnen und Therapeuten, denen sie ihre Produkte und Neuerungen vorstellen konnten. Deshalb war es keine Frage, dieses Format zu wiederholen.“

Prof. Dr. Michael Jöbges, Erster Vorsitzende der DGNKN

Inhaltlich wie personell perfekt passt die Jahrestagung der DGNKN Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und klinische Neurorehabilitation e.V. zur REHAB. Der erste Vorsitzende der DGNKN, Prof. Dr. Michael Jöbges (Kliniken Schmieder, Konstanz), ist ebenfalls Mitglied des Wissenschaftsbeirats der Bobath-Vereinigung. So werden einige Themenblöcke gemeinsam gestaltet und hochkarätige Podien besetzt.

Mit Prof. Dr. Dr. Uwe Spetzger, Direktor der Neurochirurgischen Klinik im Städtischen Klinikum Karlsruhe, als DGNKN-Kongresspräsident ist ein „lokaler Leuchtturm“ der Wissenschaftsregion Karlsruhe eingebunden. Beiden ist es besonders wichtig, die Themen aus verschiedenen Positionen und professionellen Blickwinkeln darzustellen und auch mit Betroffenen zu diskutieren. „Mit einer solchen Kooperation wird ein berufsübergreifender Perspektivwechsel vollzogen, wir lernen voneinander und die beste Behandlung für unsere Patientinnen und Patienten ist definitiv immer gemeinsam“, fasst Prof. Jöbges zusammen.

Prof. Dr. Dr. Uwe Spetzger, Direktor der Neurochirurgischen Klinik im Städtischen Klinikum Karlsruhe und DGNKN-Kongresspräsident

Auch wenn es weniger schwere Schädel-Hirn-Verletzungen durch z.B. mehr Sicherheit bei Motorrad- oder Arbeitsunfällen gibt, bleibt die Zahl der zumeist lebenslang deutlich Betroffenen relativ konstant. „Zurzeit sehen wir viel mehr mit dem E-Bike verunfallte Menschen. Das liegt auch daran, dass die meisten Fahrradhelme nicht für die gefahrenen Geschwindigkeiten geeignet sind. Unser Anliegen ist es, mehr Aufmerksamkeit für Schädel-Hirn-Verletzungen zu erzielen,“ so Prof. Spetzger, „wir möchten ganz deutlich machen, was ein Schädel-Hirn-Trauma bedeutet: Beginnend vom Unfall, mit Akutklinik, Reha, im Anschluss lebenslange ambulante Versorgung, Hilfsmittel, Therapien, Pflege – der gesamte Alltag verändert sich und alle Lebensbereiche sind massiv betroffen.“

Weitere Informationen zu den Kongressprogrammen sind online zu finden unter:

www.bobath-vereinigung.de

www.dgnkn.de

www.rehab-karlsruhe.com/conthera

Bildernachweise Jöbges, Spetzger, Espei: privat

2022-10-24
22. REHAB Karlsruhe findet wieder in drei Hallen statt

Nach Ende des Frühbuchertarifs für Ausstellende und dem damit einhergehenden Zuspruch vieler Branchengrößen plant die Messeleitung die kommende REHAB wieder in drei Messehallen.

„Wir freuen uns, wieder so viele marktführende Unternehmen dabei zu haben: sowohl herstellende Unternehmen wie Ottobock, Alber, Meyra und Schuchmann als auch Fachhändler wie Storch & Beller und das SC Sanitätshaus Carstens haben ihre Standflächen für 2023 bereits neun Monate vor Messebeginn fixiert. Die REHAB Karlsruhe wird wieder die gesamte Bandbreite der Branche abbilden.“, so Projektleiterin Annika Gehrmeyer.

Weiterhin wird das von knapp 90 Prozent der Besuchenden mit Topnoten bewertete Marktplatzkonzept zur Bündelung der vielfältigen Messethemen beibehalten und stetig verbessert. Ab 2023 findet die Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion wieder im Zwei-Jahres-Rhythmus statt.

Die REHAB ist seit über 40 Jahren fest im Terminkalender der Branche verankert und hat sich im Zwei-Jahres-Turnus als die wichtigste Plattform für qualitativ hochwertige Mobilitätshilfen und Kinderhilfsmittel aus Deutschland und dem europäischen Ausland etabliert. Insgesamt umfasst das Messespektrum neueste Trends und Innovationen der Rehatechnik, Hilfsmittelversorgung sowie aktuelle Therapieansätze und Pflegeangebote.

Hier geht’s zur aktuellen Ausstellerliste

Besuchende auf dem Weg in die dm-arena